Der Magische Reif

Von allen Freunden Cäsar Bärs sind Hedwig Waldner und Herbert Grünfinger die Geheimnisvollsten und die mir Vertrautesten zugleich.

Herbert war und ist noch immer mein Lehrmeister in Sachen Magie.

Von Hedwig habe ich den Reif.

Die beiden kamen wirklich gleich. Nach nur wenigen Minuten führte Franz Löscher sie herein.

„Darf ich vorstellen?” eröffnete Cäsar Bär das Gespräch. „Hedwig Waldner, eine HexeHerbert Grünfinger Alte RasseDr. Balduin SchlechtverlustSucher.”

Die Katze ging zu Hedwig und strich an ihren Beinen lang. Der Affe rührte sich nicht.

„Ich weiß.” sagte Hedwig. „Ich habe ihn bereits kennen gelernt!”

„Ich hatte noch nicht das Vergnügen!”

„Nein, Du wirst es noch haben.” sagte die Hexe. „Deinem Gesicht kann ich nur entnehmen, dass Du gar nichts verstehst, macht nichts.”

Sie ging auf mich zu und fuhr fort: „Ich habe Dir etwas mitgebracht.” Sie reichte mir einen Armreif. Ich griff automatisch zu und streifte ihn mir ohne zu überlegen über mein rechtes Handgelenk

und habe ihn bis heute nicht abgenommen.

Heute weiß ich, dass ich keine Chance hatte, den Reif nicht überzustreifen.

Von einer zur anderen Sekunde veränderte sich meine Wahrnehmung. Hedwig wurde zu einer schönen jungen Frau. Herbert wuchs zu einem selbst für mich riesigen Mann. Das ganze Zimmer war in ein Farbenspektrum getaucht. Der Affe und die Katze verwandelten sich in Gestalten mit teuflischem Aussehen. Der grüne Ledersessel sah kurzfristig wie ein Minotaurus, der auf einer Steppe graste.

Nach einigen Minuten erreichten mich Gedanken. Es waren Grünfingers Gedanken, die langsam in mein Gehirn drangen.

Ruhig, ruhig!


Ich nahm die Worte auf mir bis dahin unbekannte Weise wahr.

Dann folgten einige gedankliche Anweisungen, die ich einem nichtmagisch Veranlagten nicht erklären kann. Als ich ihnen folgte, wurden die Umgebung, die Tiere und der Ledersessel wieder normal.

Grünfinger forderte mich auch auf, den Bärs Brief aus der Tasche zu nehmen und ihn wegzulegen.

Zwei magische Dinge solltest Du nicht mit Dir herumtragen. Zumindest nicht lange. Und zumindest gar nicht, solange Du Dich nicht an den Reif gewöhnst hast!

War das jetzt schon notwendig?” fragte Bär.

„Ja,” sagte Hedwig, „und Du weißt es. Ohne Reif ist der junge Mann für Dich ganz und gar nutzlos.”

Mir schwirrte der Kopf.

„Nun kommen wir zum eigentlichen Grund unseres Zusammenkommens” sagte Bär.

„Was ist schon der eigentliche Grund” murmelte Herbert Grünfinger.

Oder war es nur in meinem Kopf zu hören, als telepathische Nachricht?

„Nehmt erst einmal Platz.” forderte Bär auf.

Grünfinger nahm einen der blauen Stühle. Hedwig nahm im grünen Ledersessel Platz. Aber erst nach dem sie ihm gesagt hatte: „Bleib` ja artig!”

Der grüne Ledersessel und Hedwig verstehen sich nicht immer gut. Sie haben schon manchen magischen Kampf ausgetragen. Wer Sieger geblieben ist, konnte ich bisher nicht feststellen.

Die Katze ließ sich zu Hedwigs Füßen nieder.

„Was hattet Ihr am Montag, den 19. Mai in der Raststätte Allertal zu tun.”

„Können wir wissen, was Dich das angeht.” erkundigte sich Hedwig.

„Als man mir diesen Job gegeben hat, wurden mir einige Privilegien eingeräumt.”

„Das reicht mir nicht.”

„Na gut, dann folgendes:

Erstens: Der Hauptverdächtige in einem Mordfall ist von einer gewissen Staatsanwältin, einer Blenderin, aufgefordert worden, mich aufzusuchen.

 

Natürlich möchten Sie sicher wissen, was eine Blenderin ist. Ich verrate

es Ihnen...

...aus dramaturgischen Gründen später.

Wenn Sie neugierig sind und klicken erfahren Sie es gleich

 

Zweitens: Kurz vor dem Mord treffen sich an einer Raststätte in der Nähe des damals noch künftigen Tatortes merkwürdigerweise zwei Graue, zwei Schwarze, einige EODisten, Reykianer und eine Gruppe Symfortd-Leutemit Zweifelhaften Hund.

Und Ihr fragt, warum ich alle hier sehen möchte und mit den beiden Grauen anfangen will?”

Wenn Sie Probleme haben Cäsar Bär zu folgen, beruhigen Sie sich. Ich hatte damals auch Probleme. Ich brauchte einige Zeit, um das alles zu verstehen. Ich werde versuchen, Sie an meinem Verständnisprozess teilhaben zu lassen.

„Gut, gut!” sagte Hedwig. „Wir haben einen Hinweis bekommen, dass Mon-An und die EODisten irgendetwas vorhaben. Wir haben auch gehört, dass auch Sengler davon informiert war.”

„Wer hat Euch informiert? Ein Zweifelhafter Hund? Eine Zweifelhafte Katze?”

Die Katze zu Hedwigs Füßen hob den Kopf. Es schien als schaue sie vorwurfsvoll in Bärs Richtung. Der Affe richtete sich auf und richtete ebenfalls seinen Blick, den ich aber nicht deuten konnte, auf Bär.

„Ein Zweifelhafter Vogel!”

Das mit den zweifelhaften Tieren bedarf der Erläuterung. Jedoch nicht an dieser Stelle.

Caro?”

„Ja!”

„Und die Symfortd-Truppe. Woher haben Sie diese Informationen.”

„Das wissen wir nicht genau. Vermutlich vom Gärtner. Sie kamen am Morgen der Tat bei mir an und besorgten sich einen alten Bulli.

Sie sagten nicht wohin sie wollten. Wir waren verwundert als wir sie in der Raststätte sahen.

Sie waren hier und jetzt auf der Durchreise. Sogan und Putzi schlossen sich ihnen für den Ausflug an. Die Gruppe ist wieder – ohne Sogan und Putzi – aufgebrochen, um irgendeinen ihrer mysteriösen Aufträge durchzuführen.”

„Dann werde ich mit Sogan sprechen. Und Dr. Schlechtverlust wird eventuell den Rest der Truppe aufsuchen. Wisst Ihr wo sie sind?”

„Nein. Wir wissen auch nicht wann.”

„Und der Gärtner. Wird er einer Einladung von mir folgen?”

„Wohl kaum. Er ist wie Du. Er verlässt nicht gern sein Haus.”

„Ich mache das, um nicht aufzufallen!”

„Und er ist nicht gern als Schlange unterwegs.”

„Was hat Euch mehr gestört. Das Archie Mon-An und die EODisten etwas vorhaben oder dass Sengler etwas davon weiß?”

„Beides. Sengler war ein ganz Gewiefter.”

„Kanntet Ihr ihn?”

„Er hat einmal in unserer Pension geschlafen und komische Fragen gestellt.”

„Und es wäre nicht angenehm für die Grauen, wenn Ihr sorgsam gehütetes Geheimnis gelüftet würde!”

„Nein. Wir haben die Zeit der Hexenverfolgung noch nicht vergessen!”

„Das wäre ein gutes Mordmotiv!”

„Wir Grauen morden nicht,” sagte Hedwig empört.

„Vielleicht war es aus Eurer Sicht Notwehr!”

Bär wechselte das Thema ohne eine Antwort abzuwarten.

„Wie seid Ihr zur Raststätte gekommen?”

„Am Campingplatz in der Nähe der Raststätte ist ein Repp! Wir gingen von unserem Keller direkt dort hin.” sagte Hedwig

„Und bevor Du fragst: Es waren schon alle da: Sengler und seine Gäste, die Symfortd-Gruppe mit einem Zweifelhaften Pudel und Vera.” ergänzte Grünfinger.

„Was ist mit Harald Larson und Leyden.”

„Leyden war uns nicht bekannt. Heute wissen wir aber, wer er ist.

Er war schon da. Harald kam uns entgegen als wir in die Raststätte gingen.”

„Habt Ihr mit Ihm gesprochen?”

„Wir haben uns kurz zugenickt. Wir stehen den Reykianern freundschaftlich, aber skeptisch gegenüber. Man weiß nicht so genau, was sie im Schilde führen.”

„Wie spät war es als Ihr eintratet?“

„Dreiviertel Neun, etwa!“

„Wisst Ihr wer zuerst von allen aufbrach?”

„Sengler!”

„Wann?“ –„Viertel nach Neun, etwa!“

„Und die anderen am Tisch. Blieben Sie noch?”

„Ja. Sie debattierten noch als wir gingen. Wir wechselten noch ein paar Blicke mit den Symfortd-Leuten. Dann brachen wir wenige Minuten nach Sengler auf. Wir sahen ihn noch wegfahren. Wir gingen zu dem Repp am Campingplatz und kehrten in unser Haus zurück.”

„Das könnt Ihr aber nicht beweisen!” behauptete Bär und wechselte abermals das Thema.

„Es gab einen Zwischenfall. Eine Serviererin schrie. Ein Kellner kam und beruhigte sie.”

„Ja. Es war Pater Thomas. Er beruhigte sie mit einem Zauber, den man Verschleiern  nennt.”

„Kannst Du meinem neuen Assistenten beibringen wie man diesen Zauber auhebt?” wandte sich Bär an Grünfinger.

„Ja, und noch ein wenig mehr!”

Er drehte sich zu mir und nahm telepathischen Kontakt zu mir auf.

Im Prinzip war alles ganz einfach.

„Da saß noch ein einzelner Mann. Kennt Ihr ihn?“

„Nein, aber wir sind uns nicht sichern ob er ein Mann war!“ sagte Hedwig

„Wieso?“

„Er schien auf eine uns unbekannte Art und Weise die alle Wesen emphatisch zu scannen. Auch uns. Er wirkte irgendwie nicht menschlich.“

Die beiden Alten gingen kurz darauf. Herbert und Hedwig hatten mir Ihre Adresse gegeben und erklärt, ich könne immer vorbeikommen, wenn ich wollte. Vor allem wenn mich Bär zu sehr ärgere. Ich brachte sie zum Garten. Sie verabschiedeten sich von mir, gingen eine paar Schritte und verschwanden plötzlich.

Als wieder hereinkam, fluchte Bär vor sich hin.

„Was ist?“

„Ich glaube zu wissen, wer dieser Unbekannte war!“

„Wer?“

„Solange mein Verdacht nicht bestätigt wurde, brauchen Sie das nicht zu wissen!“

Bär ging kurz hinaus Richtung Küche.

 

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