Der neue Job

Heute Morgen sah ich Frau Lalüg. Sie ist unsere Briefträgerin. Wir hielten wie immer ein kleines Schwätzen. Wie damals, als sie mir den Brief brachte mit dem alles anfing.

Frau Lalüg zu beschreiben ist nicht einfach, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes unscheinbar.

Jedes Mal wenn ich sie sehe weiß ich, dass es Frau Lalüg ist. Ich erinnere mich aber nicht, dass sie sich je vorstellte. Und wenn ich sie mir wie jetzt beim Schreiben im Jahr 2010 vorstellen will gelingt es mir nicht, obwohl ich sie erst heute Morgen sah. Außerdem weiß ich nicht wie lange ich sie schon kenne. Irgendwie bin ich aber sicher, dass sie mir auch schon vor dem 4. Juni 1975 die Post brachte. An diesem Tag stand sie da, als ich gegen Mittag die Treppe herunterkam und strahlte mich an.


„Oh, Herr Dr. Schlechtverlust, hier ist ein Brief für Sie!“

Cäsar Bär, Institut für vertrauliche Ermittlungen“ war der Absender des Briefes, den sie mir damals überreichte.

Ich öffnete den Brief und murmelte vor mich hin.

„Einer Detektei?“

Dann las ich:

Sehr geehrter Herr Dr. Schlechtverlust,

hiermit bitten wir Sie, sich unserem Institut anzuschließen. Bei großzügiger Bezahlung erhalten Sie freie Kost und Logis.

Bitte bringen Sie bitte auf jeden Fall den Brief mit.

Um uns zu finden, gehen Sie morgen um 10:30 Uhr vom Gaußberg aus in den Inselwall und gehen Sie den Räubergrund lang. Dort nehmen Sie bitte die erste Brücke über den Bosselgraben 

Cäsar Bär und CO

Institut für vertrauliche Ermittlungen

„Ja! Eine Detektei“ kommentierte Frau Lalüg mein Gemurmel. „Ein Job für Sie! Sie sollten ihn annehmen!“

Ich fragte nicht, woher sie es wusste. Nicht dass ich sie verdächtige meine Post zu lesen. Sie schien immer sehr viel zu wissen.

„Ich bin Doktor für Anthropologie!“ empörte ich mich.

„Und schlagen sich als Taxifahrer und Kneiper durchs Leben! Sie können ja weiter nach Ihren Traumjob suchen! Aber gehen sie erstmal hin, und nehmen sie den Brief mit.“

Der Räubergrund ist ein kleiner Weg, der in keinen Braunschweiger Stadtplan zu finden war. Aber viele, vor allem Kinder, nannten ihn so. Er verlief zurzeit als die Geschichte spielt auf etwas niedrigerem Höhenniveau unterhalb des Inselwalls direkt am Bosselgraben.

Zwei Brücken führen noch heute über den Bosselgraben. Eine die auch den Räubergrund überquerte führte zu einem großen grauen Gebäude, in dem sich heute eine Berufsschule befindet. Die andere, die heute gesperrt ist, würde zur Lebenshilfe führen. Es scheine die einzigen Brücken über den Graben zu sein.

Ich dachte natürlich an diese auch mir bekannte Brücken.

Ich hatte im Räubergrund als Kind gespielt und es immer geheimnisvoll gefunden. Aber das war kindliche Phantasie, sagte ich mir.

Aber kurz darauf war ich nicht mehr so sicher. An meiner Brust bemerkte ich ein merkwürdiges Kribbeln. Ich fasste in die rechte Innentasche meiner Weste. Dort war der Brief. Davon schien das Kribbeln auszugehen. Als ich die Hand wieder hervorzog, war diese  von einer Art Nebel umhüllt. Ich betrachte Hand und Nebel.


Der Nebel weitete sich allmählich aus und umhüllte mich ganz. Als ich umhüllt war, weitete sich der Nebel nach vorn aus. Dann begann er sich vor meinen Augen zu einer Art Tunnel zu lichten. Der Tunnel bewegte sich auf den Bosselgraben zu und wurde etwas breiter und höher. Als der Tunnel den Graben erreichte, gewahrte ich in der Mitte des Nebels eine Brücke.

Ich habe seitdem immer wieder darüber nachgedacht, ob ich den Nebel hätte verlassen können. Vielleicht wenn ich den Brief weggeworfen hätte. Ich bin mir aber nicht sicher, ob mir das gelungen wäre.

Ich habe es auch nicht versucht, es war eventuell meine Neugier, die gegen das ängstliche Grummeln in meinem Magen gewann. Oder die fremden Mächte, die ich bald darauf entdeckte, hatten mich schon so in ihren Bann geschlagen, dass ich gar nicht anders konnte, als den Brief zu behalten und voranzuschreiten.

So bewegte ich mich im Nebeltunnel zur Brücke, die mit dem Nebel zum gegenüberliegenden Ufer gelangt war. Dort war es ebenfalls nebelig. Ich war zwar länger nicht in dieser Gegend gewesen, aber mir kam das andere Ufer des Grabens verändert vor. Der Weg, den ich hinter dem Graben gewahrte führte durch ein Dickicht, aus dem unbekannte Geräusche kamen, auf eine Lichtung. Plötzlich erschien eine Villa wie aus dem Nichts.

Ungefähr dort liegt sie auch, mitsamt dem Garten und der Brücke.

Die Villa war nur schemenhaft sichtbar, schien unstabil und schien ständig ihre Form zu verändern.

Ich fand eine steinerne Treppe die zu einem kleinen Podest hinauf führte. Hier war eine massive Holztür. Eine Kordel hing im Türrahmen.

Ich zog daran. Der laute, nachhallende Gong, der in die sich inzwischen ausgebreitete Stille prallte, ließ mich zusammenzucken.

Wie von Geisterhand öffnete sich die Tür. Ich blickte in einen düsteren Gang. Die Ausmaße waren nicht auszumachen, das Licht war diffus und es war allem Anschein nach auch innen neblig. Knarrend öffnete sich rechter Hand eine weitere Tür, durch die ein fader Lichtschein fiel. Ich ging auf die Tür zu, stieß sie ganz auf und trat in einen merkwürdigen Raum. Die Mitte des Raumes war hell.

Rechts vom Eingang verlor sich der Raum ebenfalls im Nebel, nur schemenhaft waren ein paar Möbelstücke auszumachen. Gegenüber der Tür sah ich eine weitere Tür. Links stand, weitgehend im Hellen ein großer Schreibtisch, davor ein grüner Ledersessel. Dahinter und daneben verschwamm alles im Nebel. Der Nebel hier und im Gang wirkte wie der Nebel draußen unnatürlich.

Hinter dem großen Schreibtisch saß ein glatzköpfiger Mann und glotzte mich aus seinen großen Augen an. Seine übergroßen Ohren wackelten hin und her. Ich konnte nur seinem massiven Oberkörper sehen. Sein Schreibtisch war vorn geschlossen.

Was heißt: Man nennt Sie Cäsar Bär? Ist das nicht Ihr Name?“

„Sie sind so schlau wie Ihnen nachgesagt wird. Zufiiedenstellend!

Nein, es ist nicht mein Name. Aber darüber reden wir ein anderes Mal.“

„Nehmen Sie doch erst einmal Platz.” Er wies auf den grünen Ledersessel.

Ich setzte mich und hatte ein seltsam angenehmes Gefühl von Geborgenheit, dass sich mit dem Kribbeln, das vom Brief ausging auf mysteriöse Art vereinigte. Es schien als würde mich der Sessel sowohl physisch wie psychisch einkuscheln. Aber das war natürlich Unsinn.

Dachte ich damals.

Die Sicht auf den Raum erweiterte sich. Von mir aus gesehen rechts neben dem Schreibtisch Bärs sah ich einen Katzenkorb mit einer grauen Katze.

Im Regal daneben saß in der zweiten Reihe von unten ein Schimpanse.

Er trug eine Livree wie ein Diener.

„Was” sagte Herr Bär, „meinen Sie, Herr Dr. Balduin Schlechtverlust, befähigt Sie ein wissenschaftlicher Mitarbeiter unseres Betriebes zu werden?”

Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet.

Ich schob ihm meine Unterlagen hinüber.

„Ich habe mich ja eigentlich nicht beworben. Sie haben mir geschrieben!”

Ich zog den Brief heraus und wollte ihn Bär überreichen.

Herr Bär nickte mir zu, verweigerte die Annahme des Briefes und meinte etwas grimmig. „Richtig. Wir wollen Sie haben. Aber fragen Sie nicht warum. Was halten Sie von...” er nannte eine recht hohe Summe „Anfangsgehalt.”

Ich schluckte und war sprachlos. Darum fragte ich auch nicht:

„Warum?”

„Bei freier Verpflegung und Unterkunft.” Er drehte sich nach links drückte einen Knopf auf dem kleinen Beistelltisch. Auf dem Tisch standen einige merkwürdige Geräte. Zunächst war da eine Art Schreibmaschinentastatur. Nur eine Tastatur, nichts weiter dran. Dahinter war eine Art Fernseher, ganz flach und ziemlich breit. Es gab noch weitere kleine und große Geräte, die ich nicht kannte. 

Der Leser des 21. Jahrhunderts wird selbstverständlich wissen, dass es sich um einen Computer mit Peripherie-Geräten handelte. Mein damaliges Erstaunen wird sich dem Leser erschließen, wenn er bei Wikipedia darüber recherchiert, welche Computer es 1975 schon gab.

Gegenüber der Tür, durch die ich eingetreten war, öffnete sich eine weitere Tür, durch die ein großer schlanker Mann, der eine Schürze trug, eintrat.

„Dies ist mein Koch und Hausmeister Franz Löscher,” stellte Cäsar

Bär vor, der Mann nickte mir. Dabei bewegte sich sein langes blondes Haar hin und her. Ich sah seine Ohren und meinte, dass sie oben spitz zuliefen. Wahrscheinlich eine Täuschung, meinte ich!

„Franz zeigen Sie dem Doktor sein Zimmer, vielleicht wird ihn das überzeugen.” Bär wirkte entnervt.

Die hohe Summe hatte mich bereits überzeugt. Aber ich folgte Löscher.

Er ging durch die Tür, durch die ich eingetreten war und ging nach rechts. Nach ein paar Schritten blieb er stehen, und sagte: „Es ist ein Fahrstuhl da!“ Und drückte auf einen Knopf neben einer Glastür. 

Ich war etwas verwirrt und fragte: „Der Fahrstuhl ist doch nicht da, er kommt doch erst!“

„Nein… ach so!“ Löscher lächelte „Hier ist nicht immer ein Fahrstuhl. Herr Bär borgt sie sich aus!“

„Und wenn keiner da ist?“

„Dann ist etwas anderes da: Paternoster, Rolltreppen, Treppen, Antigravs …“

Ein Fahrstuhl kam an, stoppte Löschers Redefluss und verwandelte den Raum vor uns. Rechts erschien ein von unten herauskommende Wendeltreppe, die links weiter nach oben führte. In der Mitte erschien ein Metallgerüst in der sich ein Fahrstuhlkorb senkte. Ich hatte solche Gitteraufzüge schon gesehen, meist allerdings in alten Filmen oder alten Hotels.

„Manchmal, “ sagte Löscher, „ändert sich das Transportgerät während man drin ist. Aber nicht sehr häufig. Und man kommt meist dorthin, wohin man will!“

„Meist?!“ echote ich, etwas verwirrt – und ängstlich, gelinde gesagt.

Der Fahrstuhl brachte uns an unser Ziel ohne sich zwischenzeitlich zu verändern. Löscher hielt mir die Tür auf und wies mir den Weg zu einem Zimmer.

Das große geräumige Zimmer war teuer eingerichtet, hatte einen geräumigen Balkon sowie ein eigenes Bad und eine eigene Toilette.

Nur das Bett gefiel mir nicht. Ich ging hin, setzte mich drauf und drückte darauf herum.

„Sie möchten Ihr eigenes Bett.“

„Ja! Ich habe es gerade neu gekauft.“

Löscher zog ein kleines Gerät aus der Schürze hervor und sprach hinein:

„Er möchte sein eigenes Bett!“

„Dachten wir uns doch!“ ertönte Bärs Stimme aus dem Gerät.

Plötzlich saß ich auf meinem eigenen Bett. Meine Verwirrung stieg wieder leicht an.

„Noch etwas aus Ihrer alten Wohnung?“ –

„Ja, meine Gläsersammlung, meine Bücher, meine Klamotten, …“

Bär Stimme unterbrach mich: „Schreibe Sie’s auf! Darum sollen sich die Königin von Porbars und Achille kümmern.“ Von diesen Ländern hatte ich noch nie gehört.

„Sind Sie bereit den Job zu übernehmen?“

„Ja!“

„Dann kommen Sie herunter und unterschreiben.“

Ich nickte, folgte Löscher in einem Paternoster nach unten, setzte mich in denn grünen Ledersessel und unterschrieb meinen Arbeitsvertrag in doppelter Ausführung. Cäsar Bär unterschrieb die Verträge auch, übergab mir einen und sagte: „Sie müssen Ihn bei sich behalten, bis sie ihn mir zum ersten Mal gezeigt haben.“ Diese Bemerkung irritierte mich ein wenig.

Dann sagte Bär: „Dort ist Ihr Arbeitsplatz!“

Sein Finger wies an mir vorbei. Ich wandte mich um.

 

Nun konnte ich mehr vom Büro sehen. Mein Arbeitsplatz, der sich rechts an der dem Eingang gegenüberliegen Wand befand bestand ebenfalls aus zwei Tischen. Auf dem kleineren Tisch standen dieselben seltsamen Geräte wie auf dem Cäsar Bärs.

Inzwischen weiß ich, dass es ähnliche Geräte sind. Bär ist ein Spielkalb und hat einen PC mit Microsoft Programmen. Meines ist ein Mac, wie gleich geschildert wird.

„Was sind das für Geräte?“ erkundigte ich mich.

Bär – der hinter seinem Schreibtisch thronte – grummelte: „Ein Computer. Ein Mac!“

„Häh!“ Zu mehr Worten war ich aufgrund meiner Verwirrung nicht fähig. Computer waren riesige Geräte, die Wände eines ganzen Raumes füllten.


Ich gestehe, ich war nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Wer inzwischen bei Wikipedia recherchiert hat, weiß dass es 1973 schon einen Xerox Alto gab. Einen ersten Apple allerdings erst 1977, einen Mac dann 1984.

„Mmh,“ Bär schien entnervt. „An dem Monitor ist hinten an der rechten unteren Ecke ein kleiner Knopf. Drücken sie ihn!“

Der Fernseher schien Monitor zu heißen. Ich fand den Knopf und drückte Ihn.

Der Bildschirm wurde hell und zeigte verschiedene Symbole.

„Sehen Sie unten dass blaue Symbol, dass wie ein großes W aussieht.“

„Ja!“

„Drücken Sie es!“

Ich drückte mit dem Finger drauf.

„Das ist kein Touchdown-Monitor! Nehmen Sie die Maus und …“

„Maus?“

„Das kleine Gerät neben der Tastatur!“

„Aha!“

„Bewegen Sie Maus, sehen sie den sich bewegenden Pfeil?“

Ich nickte.

„Bringen sie den Pfeil zum W. Klicken sie die linke Maustaste!“

Ich breche meine ausführliche Schilderung ab.

Der Leser des 21. Jahrhundert wird gemerkt haben, dass sich nun ein Schreibprogramm öffnete.

Da ich das 10-Finger-System beherrschte, also fließend Schreibmaschine schreiben konnte, hatte ich nach kurzer Zeit den Dreh raus und konnte eine Liste mit all den Dingen schreiben, die ich aus meiner Wohnung wollte. Als ich fertig war, drehte ich mich um.

„Und nun!“

„Schicken Sie es an die Königin von Porbars und Achille!“

„Erstens weiß ich nicht wo diese Länder liegen, zweitens wie?“ Bär lachte lauthals! „Länder! Hahaha!“ Dann erklärte er mir, wie ich das ganze mit etwas, dass er E-Mail nannte an diese Königin senden konnte.

Dann sage er: „Das große L führt zu einem Lernprogramm. Lernen Sie! Ich bin beschäftigt!“

Ich lernte und war auch beschäftigt.

Bär beschäftigte sich mit seinem Computer.

Als ich Pause brauchte, stand ich auf und dehnte mich. Ich blickte auf Bärs Bildschirm:

„Was tun Sie?“

„Spielen!“

„Spielen?“

Er wies auf das Regal: „Alles Programme. Einige zum Arbeiten, die meisten zum Spielen! Genial, nicht?! Aber lernen Sie erst weiter, dann können Sie auch mal Spielen. Und stören Sie mich nicht beim Spielen!“

Ich arbeitete, Bär spielte.

Die Katze schlief in ihrem Korb. Der Affe beobachtete sie.

Um Punkt 13.00 Uhr sagte Cäsar Bär: „Essenszeit!”

Dann erhob er sich zum ersten Mal in meiner Gegenwart. Besser gesagt:

Er rutschte mehr seinem Sessel, als dass er sich erhob. Ich sah auf ihn herab. Da ich 2,01 groß bin, schaue ich auf die meisten meiner Mitmenschen herab. Cäsar Bär ist allerdings knapp etwa halb so groß wie.

115 cm, wie ich später erfuhr.

Er (Bär, nicht der Schimpanse) ging wortlos auf seinen kurzen Stummelbeinen ging ebenfalls durch die hintere Tür. Ich fing mich relativ schnell. Als Anthropologe hatte ich während meines Studiums mit recht verschiedenartigen Menschen zu tun. Allerdings meist nur theoretisch. Vielleicht lag hier ein Grund für meinen Job.

Nachdem ich gesehen hatte, wie der Affe mit einem Napf erschien und ihn der Katze brachte, folgte ich meinem neuem Boss. Ich betrat einen kleinen Flur, der drei weitere Türen hatte. Davon stand eine offen, ich näherte mich dieser. Der dahinter liegende Raum schien ein Esszimmer zu sein. Ein ovaler Tisch mit blauer Tischdecke und fünf blauen Stühlen darum stand in der Mitte des Raumes.

In einer Ecke links vom Eingang stapelten sich weitere Stühle. Vor mir rechts sah ich eine Anrichte, darüber eine offene Durchreiche.

Cäsar Bär saß am Kopf des Tisches und wies mir einen Stuhl links neben sich an.

Bär sah mich an. „Ich habe mich nicht in Ihnen getäuscht!” stellte er fest und fragte dann: „Für was halten Sie mich?”

„Liliputaner” sagte ich vorsichtig „ist eine Bezeichnung, die für kleinwüchsige Menschen verwendet wird. Sie kommt von Swifts Geschichte Gullivers Reisen. Sie ist aber nicht besonders wissenschaftlich.

Die dort beschriebenen Wesen sind aber noch kleiner als Sie!”

Bär lachte schallend. „Das muss ich Porbars und Achille erzählen.

Es wird sie amüsieren.” Porbars und Achille schienen also keine Länder zu sein.

Er schüttelte sich vor Lachen und sagte: „Nein. Ich bin ein Kobold und Franz Löscher ist ein Elf. Und Porbars und Achille sind Wichtel und keine Länder!

Balduin, sagte ich zu mir, Du bist in einem Irrenhaus gelandete.

Ich wandte mich an Bär: „Steht Ihre Behauptung ein Kobold zu sein in Verbindung mit Ihrer Vorstellung: Man nennt mich Cäsar Bär!“

„Aufmerksam und intelligent sind Sie auch. Zufriedenstellend!“

Franz Löscher kam durch eine Tür neben der Durchreiche herein.

Dahinter schien die Küche zu sein. Löscher ging zur Durchreiche, nahm einen kleinen Korb sowie eine kleine Schale und brachte diese zum Tisch. Im Korb lagen vier kleine dunkle Brötchen. Bär nahm eins, nahm ein Messer, zerschnitt das Brötchen und beschmierte es mit der Creme aus der kleinen Schale. Ich tat es ihm nach und biss wie Cäsar ins Brötchen. Der Geschmack war neu für mich, aber delikat.

„Sie beziehen sich auf die Geschichte mit Kobold, der sich Rumpelstilzchen nannte?“ fragte Bär.

„Nannte? Ich dachte er wäre dabei ertappt worden, als er um Feuer sprang und sang, dass er Rumpelstilzchen hieße.“

„Einen Kobold ertappt man nicht. Rumpelstilzchen wurde die Sache zu heiß. Er hatte sich mit der Königin einen Spaß gemacht.

Was sollte er mit einem nervigen Kind. Wir haben genügend Ärger mit dem unserem eigenen Nachwuchs. Er ließ sich beobachten.

Dann ging er zur Königin und wandte einen kleinen Zaubertrick an. Es schien so also wenn er sich in kleine Stücke sprengte. In Wirklichkeit verschwand er im Bruhn.“

„Wohin?“

„Ins Bruhn

Löscher brachte uns einen Salat. Einiges auf dem Teller sah unbekannt aus, schmeckte aber ausgezeichnet.

„Das Bruhn ist ein zweidimensionales ADPU. Der Name Braunschweig geht darauf zurück. Bruhn schreibt sich allerdings mit einem H hinter dem U. Brunswiek, wie Braunschweig früher hieß, wird falsch geschrieben.

Sie werden sich über die Brücke über den Bosselgraben gewundert haben. Dies ist ein getarnter Repp, der über ein Katt zu einem Kulk führt und dann in diesen Ghoyder. Dieser Ghoyder hängt zwischen dem normalen Universum und dem Bruhn. Man braucht etwas Magisches um hereinzukommen. Ihren Brief zum Beispiel.“

Wir hatten den Salat gegessen. Ich war verwirrt. Bär lächelte und lehnte sich zurück.

„Dieser Rumpelstilzchen,“ nahm Bär seine Geschichte wieder auf, „lebte in übrigens eine Zeitlang in ständiger Angst. Das Kind war recht verhaltensoriginell. Rumpelstilzchen befürchtete, die Königin würde den Trick durchschauen und ihm ihr Kind sozusagen zur Pflege zur übergeben.“

Aus der Küche war Gesang zu hören.

Bär beugt sich zu mir herüber und flüsterte: „Elfen sind sehr große Künstler. Franz Löscher ist Kochkünstler. Alle Elfen behaupten, dass sie auch große Sangeskünstler seien. Vielleicht gilt das für Elfenohren, allerdings nicht für Koboldohren. Wenn das auch für Ihre Ohren gilt.“ Er blickte auf mein leicht verzerrtes Gesicht und meinte:

„Scheint der Fall zu sein. Jedenfalls singt Franz Löscher, wenn er kocht.

Da ich allerdings nicht weiß, wie Elfen reagieren, wenn man sie wegen ihres Gesangs kritisiert, habe ich es bis heute unterlassen, etwas zu seinem Singsang zu sagen.

Vor allem befürchte ich, dass das Essen nicht mehr so gut schmeckt, wenn Franz nicht singt. Die Lieder der Elfen haben nämlich Zauberkraft.

Das Essen entschädigte für den Gesang aus der Küche. Zumal das Kochen schon fast erledigt. Beim Servieren sang Löscher nicht.

Während des Nachtischs hatte ich noch eine Frage: „Diese – äh – Computer, sehen etwas sehr futuristisch aus.“

„Sind stammen aus der Zukunft. Ich habe mir das ausbedungen, als ich diese Aufgabe übernahm!“

„Welche Aufgabe? Und von wem?“

„Detektiv für magische Verbrechen zu spielen! Irene hat mir die Aufgabe angetragen. Ich habe aber ein paar Bedingungen gestellt.

Alle Gruppen müssen mir diesen Auftrag geben und sich meiner Autorität beugen. Und ich darf futuristisches Spielzeug verwenden.

Ihr Gesicht ist voller Fragezeichen! Aber das muss erstmal reichen!“

Das Essen war beendet, Bär rutschte von seinem Platz und sagte:

„Ich gehe bis 16.00 Uhr in den Garten und bin für niemanden zu sprechen. Termine machen Sie bitte frühestens für 16.00 Uhr.”

Ich setzte mich an meinem Schreibtisch und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Mein Chef war etwas klein und einer seiner Angestellten hatte spitze Ohren. Irgendwann würde ich aus meinem Traum aufwachen oder einer meiner Freunde würde hinter einem

Busch hervorspringen und „April, April“ rufen. Wir hatten allerdings den 5.Juni

Die Klingel riss mich aus meinen Gedanken. Das heißt waren zwei Klingeln. Die eine klingelte draußen im Gang, die anderen auf meinem Computer namens Mac. Der Mac zeigte auch eine Uhrzeit an: 15:03

weiter mit: Wie man eine Tür öffnet

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