Ein Bulle

Als ich am nächsten Morgen erwachte, war es kurz vor Sieben. Ich war nach wie vor in meinem neuen Zimmer, hatte also allem Anschein das bisher geschilderte nicht geträumt.

Darüber hinaus, schien ich gut geschlafen zu haben. Das ganze hätte mir doch Alpträume machen müssen! War ich nicht nur in den Schlaf gesungen, hatte man auch für einen ruhigen Schlaf gesorgt?


Na gut, dachte ich und erhob mich, rasierte mich, putzte mir die Zähne, duschte, zog mich an und ging nach unten. Ich ging in die Küche, dort war Franz Löscher bereits aktiv.

„Hallo Baldi, oh Entschuldigung, Guten Morgen Herr Doktor. Aber ich kenne Dich ... Sie schon so lange...“

Ich unterbrach ihn: „Dann bleiben wir doch beim Du. Woher kennst Du mich?“

„Ehm, es ist besser wir reden nicht darüber. Weil das in Deiner Zukunft liegt. Und wenn ich es Dir erzähle könnte es Deine Handlungen verändern. Und dann wäre ich vielleicht nicht hier.“

„Bär sagte, Du wärest ein Elf. Stimmt das? Woher kommst, eh stammst Du? Aus Avalon?“

„Ich persönlich stamme aus Genf. Dort haben wir uns das erste Mal getroffen – werden wir uns treffen. Die Heimatwelt der Elfen ist Singsang. Entstanden sind wir wie fast alle intergalaktischen Rassen auf Turan. Genaueres weiß ich leider nicht. Ich bin nicht so in Geschichte bewandert und das ist schon so lange her.“

„Wenn ich das richtig verstehe sind Singsang und Turan Planeten?

Es gibt also noch andere bewohnbare Planeten in Universum?“ –

„Ja, sogar Viele. Möchtest Du frühstücken. Ich habe frisches Mehl von Singsang für die Pfannkuchen, Marmelade von Pfefferkuchen ...

Ach so, Du frühstückst ja zum ersten Mal bei mir, aber es hat Dir immer gut geschmeckt. Du kannst hier frühstücken.“ Er zeigte auf einen kleinen gedeckten Tisch. Die Tageszeitung lag auch da. „Und keine Angst ich singe nicht während Du frühstückst. Ich singe nur beim Kochen. Bär frühstückt übrigens oben in seinem Zimmer. Er geht dann runter zu Cjue zum Basteln und kommt um 10:30 Uhr wieder hoch. Du solltest ihn dann ebenso wenig stören wie nachmittags bei Dorothea. Mittag gibt’s grundsätzlich um 13:00 Uhr, Abendbrot um 18:30. Du speist fast immer mit Ihm, er mag das. Allerdings bist Du oft unterwegs, wie gestern Abend zum Beispiel. Ich mache Dir dann gern einen Picknickkorb wie gestern und stelle Dir etwas in den Kühlschrank! Für später.“

„Picknickkorb?“

„Haben Dir Porbars und Achille nichts gesagt, nichts abgegeben? Na wartet!!!“

Ich lernte nach dem Frühstück am Computer, als Bär heraufkam.

„Franz hat sie mit meinen Stundenplan bekannt gemacht?“

„Ja!“

„Dann beachten Sie ihn! Und halten Sie Fremde in den Zeiten fern, die ich mit Dorothea oder Cjue verbringe.“

Kurz danach klingelt es.

„Das wird wohl Kommissar Kaufmann sein,“ sagte Bär, schaltete den Monitor an. Draußen stand ein kleiner bulliger Mann „Er kennt Sie bereits und wird Sie bestimmt anfauchen.”

Bär ließ ihn herein.

Er stürmte ins Büro, sah mich an und schnaubte „Sie?!”, dann baute er sich vor Bärs Schreibtisch auf.

Die Katze stand auf, machte einen Buckel und fauchte Kaufmann an. Der Schimpanse richtete sich im Regal drohend auf.

Bär wies auf den grünen Ledersessel.

Kommissar beäugte den Sessel misstrauisch, setzte sich aber.

„Was hatte er an der Raststätte zu tun?”

„Er hatte einen Auftrag!”

„Hat er das Gewehr im Baum versteckt?”

„Haben Sie?” fragte Bär mich.

„Hat er meine Spuren am Baum gefunden?” fragte ich zurück.

„Haben Sie?” fragte Bär nun den Kommissar.

Dieser stand kurz vor dem Platzen.

Das war bei den vielen Besuchen – die er seitdem in meiner persönlichen Zeit bei uns gemacht hat – oft so.

Er haut dann mit der Faust auf Cäsar Bärs Schreibtisch und stößt Flüche aus.

Gut, dass der Schreibtisch stabil und nicht aus intelligentem Holz.

Der grüne Ledersessel setzt ihm schon genug zu (vielleicht aus Solidarität mit dem Schreibtisch).

Er sollte etwas finden, dass er in den Händen halten und sich in den Mund stecken kann, wenn er sich so aufregt.

„Nein!” seine Stimme war kurz vor dem Brüllen. „Es waren zwar Fußabdrücke auf dem Boden. Aber nur winzig kleine. Wie von Puppen. Und irgendjemand hat aus dem Holz ein kleines Stück entfernt! Haben Sie auch mit ferngesteuerten Puppen gespielt.”

„Ich spiele nicht mit Puppen!” erklärte ich kategorisch.

Der Bulle sah skeptisch zu mir rüber, wandte sich dann Bär zu und blaffte ihn an.

„Haben Sie einen Klienten?”

„Ich habe Ihnen bereits mehrfach gesagt, dass Sie das nichts angeht!”

Kaufmann sprang auf und brüllte: „Irgendwann kriege ich Sie!”, er wandte sein zorniges hochrotes Gesicht mir zu und brüllte wieder:

„Und Sie auch!”

Dann verließ er wutschnaubend den Raum. Ich verfolgte ihn auf dem Monitor. Er knallte die Außentür zu. Ich beobachtete ihn bis zur Grenze zur Wirklichkeit. Ich hatte Angst er würde sich in seiner Aufregung an einem Gebüsch vergehen. Und bei diesem Grundstück wusste man nie was passierte. Ich wollte nicht mitschuldig am Verschwinden eines deutschen Beamten sein.

 „Püppen“ ertönte es vom Regal. Etwas verwirrt sah ich nach oben.Achille stand dort, beide Hände in die Hüften gestemmt. „Diesen Büllen sollte man mal `eimsuchen!“ Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen dass der Kleine mit dem französischen Akzent ‚Puppen’ und ‚Bullen’ sowie ‚heimsuchen’ meinte.

Porbars wirkte eher distinguiert statt echauffiert.

„Erregen Sie sich doch nicht über diesen Rüpel!“

„BAH!“

„Lasst es sein. Er ist ein Barbar und ein wenig beschränkt. Habt Ihr etwas herausgefunden.”

„Meine wissenschaftlichen Experimente haben bewiesen, dass das Gewehr mit Magie bewegt wurde!” sagte Porbars.

„Da braucht man nur seine kleinen grauen Zellen gebrauchen, um das `erauszubekommen!” lästerte Achille.

„Gedacht habe ich das auch schon. Ich wollte nur sicher sein. Und als Beweis bei Irene  könnte es auch wichtig sein. Da hilft nur Wissenschaft!”

Wenn Sie wissen wollen wer die nun schon wieder erwähnte Irene 

ist, erfahren Sie es an dieser Stelle...

...nicht!

Es sei denn, Sie klicken neugierig

„Das Gewehr war ein wenig ... ehem ... altertümlich,“ mischte ich mich ein

„Ja, das ist das zweite was uns auffiel.“ sagte Porbars. „Es ist ein Henry-Gewehr, das fälschlich auch Der Henry-Stutzen genannt wird. Es wurde in den 1860ger Jahren hergestellt.“

„Allerdings,“ ergänzte Achille, „weist das Gewehr keine entsprechende Alterung auf. Auch da wird Magie im Spiel sein. Aber um näheres zu sagen, müssten wir oder besser noch Cjue es gründlich untersuchen.“

Die Wichtel zogen ab.

 „Woher kennt der Polizist meinen Namen?” fragte ich Bär.

„Er hat Sie schon mindestes einmal gesehen. Und Sie werden das bald erleben.”

„Äh” machte ich, oder zumindest ein ähnliches Geräusch.

„Sie werden durch die Zeit reisen. Damit Sie Ihre Lizenz bekommen.”

„Aha” machte ich.

„Sie haben Ihre Lizenz am 6. Juli 1970 beantragt!“

„Ah ja, wie und warum?“

„Ich weiß es nicht!“

Er machte eine Pause und meinte:

„Zunächst will ich Ihnen aber zeigen, wie Sie an Informationen kommen, ohne mich dauernd zu löchern. Ich weiß, Sie sind etwas durcheinander und haben viele Fragen. Auf Ihrem Mac ist ein unten ein Kompass. Klicken Sie es an!“

Ich tat es.

„Sie sind nun mit dem „iii“ verbunden.“


Der Intergalaktischer Intertemporaler Informationsdienst (iii) ist so etwas wie das World Wide Web (www). Die Reichweite des Netzes ist allerdings, wie der Name sagt etwas weiter als weltweit, was sowohl den Raum als auch die Zeit betrifft.

 

„Geben sie „symfortd“ ein. Unter „Suchen“ finden sie dort alles.

Bevor sie wieder fragen: Das Suchfeld ist oben rechts im Browser, mit einem Lupensymbol.“ Ich fand das Symbol und unterließ die Frage, was ein Browser ist.

Ich suchte und recherchierte ein wenig im iii. Dabei kam mir eine Idee, der ich nachging. Als ich zu einigen überraschenden Resultate kam, wandte ich mich an Bär.

„Ich habe da einige interessante Dinge über Kobolde, Rumpelstilzchen und Sex herausgefunden. Könnte es sein, dass das kleine Kind in Wahrheit der Sohn des Kobolds war und es sich bei dem anscheinend gesponnenen Gold um Alimente handelte? Und ...“

Bär unterbrach mich und knurrte: „Darauf erwarten sie wohl keine Antwort!“

Ich wollte noch fragen, ob er vielleicht selber dieser Rumpelstilzchen war. Aber das Funkeln in seinen Augen zeigte, dass dies nicht besonders angebracht war. Vielleicht später.

Er rutschte von seinem Sessel und sagte: „Folgen Sie mir!”

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