Herr und Hund?

Um 16.00 Uhr erwarteten wir Sogan, der Magier und seinen Hund als Gast. Genauer gesagt waren es zwei Gäste, denn diesen Hund musste man als Gast mitzählen.

Sogan war ein seit einiger Zeit bekannter Illusionist, der auf Bühnen aber auch im Fernsehen auftrat und einigen Erfolge hatte.

Konzertaus Braunschweig 17.08.2006
Konzertaus Braunschweig 17.08.2006

Während Bär sich im Garten mit Dorothea mit den Kräutern amüsierte, forschte ich ein wenig imiii über Illusionisten und Sogan- und war verblüfft. Die „richtigen“ Illusionisten konnten wirklich zaubern, das lag daran dass sie mit den Schraten verwandt sind.

Schrate wie Dorothea zum Beispiel.

Das war das Ergebnis meiner Recherchen:

Den richtigen Name von Sogan, den Magier konnte ich nicht ermitteln. Er schien älter als er aussah, denn als Geburtsjahr war 1897 angegeben.

Es wurde über einen Auftritt Ostern 1925 im Konzerthaus Braunschweig berichtet. Dann schien er verschwunden sein, bis er vor kurzen wieder auftauchte, eine Schule für Magier gründete und selbst als Magier auftrat. Er wurde als Symfortd-Mann bezeichnet.

Konzertaus Braunschweig 17.08.2006
Konzertaus Braunschweig 17.08.2006

Nach dem der Krieg, den dieser Herr ausgelöst hatte, vorbei war, gab es das schon genannte Kino. Die Adresse hatte sich auch geändert: Böcklerstraße. Aber das war nur eine Straßenumbenennung im Rahmen des Umbaus des Stadtviertels beim Bau des neuen Braunschweiger Bahnhofs. 

Das Konzerthaus kannte ich aus meiner Kindheit als Kino. Es wurde 1890 gebaut im klassischen Stil erbaut, die Straße hieß damals Salzdahlumer Straße. Es wurde als Veranstaltungs- und Versammlungsort genutzt. Neben Komikern, Künstlern und Zauberern trat am 11. Dezember 1930 hier auch ein Mann auf, der zunächst als Maler, später Politiker und schließlich als Führer Karriere machte. Ein dunkles Kapitel unserer Geschichte.


(Das heißt, wenn man den Informationen trauen konnte.

Die Erfahrungen der letzten Tage hatten mich gelehrt, dass nichts so war, wie es schien.)

Der Begriff SYMFORTD war anscheinend eine Abkürzung eines Rolling-Stones-Titels. Symfortd-Leute wurden als ein Abenteurer mit einem Symfortd-Ring bezeichnet. Der Zwerg Wollo und der Klabautermann Krishan waren als Hersteller dieser Ringe genannt. Wie mein Reif ein permanentes magisches Ding. Als Auftraggeber der Symfortd-Leute wurde die Zweifelhaften genannt.

Bei der Recherche über Zweifelhaften wurde ich unterbrochen, ich konnte nur noch herausbekommen, dass es sich um oberirdische Imago einer unterirdischen Rasse handelte, die man als Gehörnte bezeichnete.

Dann klingelte es.

Wir sichteten den Raum vor der Tür: Sogan war im Stile der zwanziger Jahre gekleidet. Ich dachte, er trete so nur im Fernsehen auf.

Der Hund, ein Pudel, saß nehmen ihn.

Bär nickte mir zu und sagte „Ohne Fissemantänschen.“ Ich ließ sie also nur herein.

„Oh,” sagte Sogan zu mir, „sind Sie auch durch die Zeit gereist.

„Woher wissen Sie das denn!” Ich war nur ein wenig überrascht.

Der Pudel ging zum grünen Ledersessel und schnüffelt an ihm herum.

Er schien ihn nicht zu mögen. Er wandte sich um und sprang auf einen der blauen Stühle.

Die Katze erhob sich majestätisch, ging zum Pudel und schien ihn zu begrüßen. Der Schimpanse machte eine Handbewegung, die ebenfalls als Gruß durchging. Die Katze ging wieder in den Korb zurück.

Sie schien den weiteren Fortgang interessiert zu folgen. Der Affe ebenso.

„Was haben Sie am Montag, den 19. Mai in der Raststätte Allertal zu tun gehabt.”

Die Frage hatte ich in der „Du-Form” schon mal gehört. Die Antwort war auch in der „Sie-Form” dieselbe.

„Können wir wissen, was Sie das angeht.” Diesmal sprachen aber Zwei parallel. Das heißt, der Hund sprach auch!

Einen Moment war ich verblüfft. Aber nur einen Moment. Dann hatte ich mich schon wieder in der Gewalt. Um mich jetzt noch richtig zu beeindrucken, musste man stärkere Geschütze auffahren.

Ich registrierte, dass der Hund sprechen konnte. Warum auch nicht.

„Meine Privilegien wurden mir auch von Ihrer Seite gewährt und schließt Ihre Mitarbeiter ein!” Bär wandte sich bei dieser Aussage an den Pudel.

„So ist das. Einen solchen Fall bearbeiten Sie!” sagte der Pudel.

„Spielen Sie nicht mit mir!” donnerte der Kobold los. „Glauben Sie, ich bin blöd. Alle möglichen Spacer, Cybride und Gruppierungen sammeln sich an einer Autobahnraststätte. Dann passiert ein Mord. Und Sie tun so, als ob Sie sich wunderten, dass ich so einen Fall bearbeite.

Also: Was wollten Sie dort!”

„Wir hatten Informationen über irgendwelche krummen Sachen der EODisten.”

„Wann und wo haben Sie davon gehört?”

„Im Konzerthausan der Salzdahlumer Straße, Ostern 1925, damals kurz nachdem wir mit Ihrem Gehilfen...”

Cäsar Bär unterbrach ihn abrupt: „Das lassen wir mal eben. Der Doktor ist erst ein paar Tage in meinen Diensten. Und die Angelegenheit von der sie sprechen liegt wahrscheinlich in seiner und meiner persönlichen Zukunft und wir sollten davon so wenig wie möglich wissen.”

„Da haben Sie Recht. Ich heiße im übrigen Putzi!” sagte der Pudel.

Er wandte sich mir zu und meinte lächelnd: „Und ich bin ein Zweifelhafter!“

„Sie sind durch die Zeit gereist?” fragte Bär den Pudel.

„Nein,” sagte Putzi, „das kann ich nicht. Ich kenne nur einen von meiner Rasse der das kann: Drori. Ich war an einem warmen Ort und habe mich ein wenig ausgeruht.”

Der warme Ort ist etwas wärmer als warm, er ist für unsere Verhältnisse glühend heiß.

„Apropos,” sagte Bär, „ich vergaß die Grundregeln der Gastfreundschaft. Möchten sie etwas zu trinken?”

„Etwas Wasser,” sagte der Pudel.

„Ein Bier,” sagte Sogan.

Der Affe sprang aus dem Regal und begab sich in die Küche. Er brachte das Gewünschte. Außerdem brachte er Wasser für die Katze, ein Glas Milch für mich, einen Mokka und eine Wasserpfeife für Bär.

Wir machten es uns gemütlich, dann wandte sich Bär an Sogan: „Aber Sie sind durch die Zeit gereist?”

„Ja, allerdings zunächst in das Jahr 1974. Genauer gesagt bin ich heute genau ein Jahr hier und jetzt. Putzi hielt es für klug, dass ich dahin reise. Ich habe es im Großem und Ganzen nicht bereut.”

Putzi antwortete: „Ja, ich habe ihn überredet. Wir hielten es für klug, ihn hier als temporären und stationären Agenten einzusetzen. Wir besorgten ihm die Magier-Schule und Auftritte.”

„Ich verstehe.” sagte Bär. Er machte eine Pause und rieb sich mit dem Daumen an der Nase.

Dann fuhr er fort: „Was haben sie 1925 genau erfahren.”

„Sogan und ich arbeiteten beide im Kaffeehaus. Ich mit einem Pierre Kreton einer Nummer, die „Der sprechende Hund” hieß.

Sogan als Illusionist. Ich erkannte, dass Sogan ein echter Illusionist und wir ließen ihm einen Ring zukommen.”

Braunschweiger Landesleitung 12. April 1925
Braunschweiger Landesleitung 12. April 1925
Braunschweiger Landesleitung 12. April 1925
Braunschweiger Landesleitung 12. April 1925

Sogan blickte auf seine rechte Hand. Am Ringfinger war ein klobiger Ring. Mit etwas Magie konnte ich ihn näher betrachten. Es war zwei Buchstaben, die in sich verschlungen waren: S und D.


„Dann brachte ich ihn nach Eden und der Gärtner unterhielt sich ausführlich mit ihm. Danach wurden wir alle in diesen Fall verwickelt, von dem ich hier nicht erzählen soll. Als alles erledigt war, konnte ich Fröhlich belauschen.

Fröhlich traf sich mit ... ein paar anderen Leuten. U. a. waren die Tres Patres dabei. Ich konnte sie belauschen. Fröhlichmeinte, das sei schief gelaufen. Jetzt müssten sie einen anderen Plan verfolgen. Dabei ging es anscheinend um das Wiederaufleben des intertemporären Waffenhandels. Sie verabredeten sich 1975.

Das machte uns nervös. Der Gärtner und ich überredeten die Symfortd-Gruppe in dieses Jahr zu reisen. Sogan kam wie gesagt ein Jahr früher an, um seine Schule zu gründen und die Augen offen zu halten.

Die Symfortd-Gruppe zierte sich ein wenig. Dorthe hatte einen dringenden Auftrag im Mittelalter für die Gruppe. Außerdem waren sie vor kurzen in Ihrem eigenen Zeitverlauf am 30. Mai hier. Sie wollten sich nicht selbst begegnen.

Die Gruppe sagte schließlich zu. Sie wissen ja, wie das mit Symfortd-Leuten ist. Man braucht einige Zeit, Versprechen und Tricks sie zu überreden, einen Auftrag zu übernehmen. Dann sind sie aber Feuer und Flamme. Eigentlich sind sie das schon vorher.

Eigentlich sind sie das schon vorher. Aber sie müssen immer handeln und feilschen. Im Prinzip wissen sie außerdem, dass sie jeden Auftrag ausführen müssen, sonst würden sie eventuell ein Zeitparadox auslösen, das sie selbst gefährden könnte.

Der Gärtner tauchte übrigens höchstpersönlich im Prinzenpark auf, um sie zu überreden. Ich weiß nicht was er ihnen erzählte. Er wollte allein mit ihnen sein.


Die Gruppe reiste zu Hedwig ins Jetzt. Nachdem sie bei der Zusammenkunft bei Allertal dabei waren, zogen sie weiter ins Mittelalter.

Und wer weiß, was mit der Zeit passiert wäre, wenn wir sie länger aufgehalten hätten?!”

„Da haben sie Recht! Dann muss der Doktor sie im Mittelalter aufsuchen.”

„Dann sollte er sich beeilen. Ihr Auftrag dort und dann ist fast erledigt. Sonst muss er in die Zukunft reisen. Und das ist, wie Sie wissen, nicht ungefährlich.”

„Ja, ich werde ihn so bald wie möglich losschicken.” sagte Bär und fragte dann:

Und woher wussten sie, wo und wann das Treffen stattfinden sollte.”

„Vom Gärtner!”

„Woher wusste erdas?“

„Ich weiß es nicht. Sie werden ihn selber fragen müssen!”

Bär wechselte das Thema und wandte sich an Sogan: „Sie trafen die anderen Symfortd-Leuten nachdem diese auch im Jetzt ankamen?”

„Ja, ich habe sie am Prinzenpark getroffen. Wir hatten uns an einem Parkplatz verabredet. Wir fuhren in einem Bulli zusammen zu der Raststätte. Ich ging mit FraukeJean Metieramour, Mark und Mario hinein.

Als wir ankamen saßen die EODisten und Mon-An schon dort. Hedwig und Herbert kamen kurz nach uns. Ich schlich mich gerade an als Sengler erschien.”

„Kennen Sie Larson und Vera?”

„Nicht persönlich! Von der Reykianern sind mir nur Dorthe und Ari persönlich bekannt.”

Larsen und Vera waren dort. Die Symfortd-Gruppe kennt die Reykianer. Hat keiner von ihnen etwas gesagt?”

„Nein. Sie nahmen wahrscheinlich an, ich würde sie kennen.”

Bär wandte sich an Sogan: „Kennen Sie einen der beiden?”

„Nein, ich hatte bisher bewusst keinen Kontakt mit den Reykianern. Als örtlicher und zeitlicher Agent ist man besser unbekannt.”

„Aber sie sollten doch die Bilder der Leute kennen.”

„Nein, die Reykianer gehören nicht zu meinen Aufgabenbereich.

Und Putzi meinte es wäre besser, wenn ich Mitglieder dieser Gruppe nicht erkenne, wenn ich sie sehe. Höchstens beim zweiten Hinsehen am Ring.”

Der Kobold blickte den Hund an: „Sie haben am Tisch von Sengler, Mon-An und den beiden EODisten gelauscht! Was haben Sie gehört?”

„Nicht viel. Sengler schien die Gruppe bzw. jeden einzelnen von Ihnen zu erpressen.”

„Was haben Sie getan, nachdem Sengler aufgebrochen war.”

„Hedwig und Grünfinger blickten zu uns rüber und folgten Sengler. Wir brachen dann gleich auf.”

„Haben Sie gemerkt, dass auch Ihre Gruppe belauscht wurde.”

„Ja, leider etwas zu spät. Pater Thomas hatte sich unsichtbar an unseren Tisch geschlichen. Er ist ein Illusionist wie Sogan. Wir bemerkten es erst, als die Serviererin schrie und der Pater überhastet aufbrach.”

Bär wandte sich an Sogan: „Wie funktioniert der Zauber genau?”

„Das muss ich Ihnen nicht verraten!”

„Doch!” diesmal sprachen Bär und Putzi gemeinsam.

„Er kann ihn doch nicht nachmachen.” ergänzte Putzi.

„Ich will auch keine magischen Details!” bollerte Bär. „Es hat doch etwas mit Illusion zu tun, oder?”

„Ja! Man erzeugt eine Illusion,  dass man sich an einem Ort befindet bzw. dort bleibt. Andere glauben dort den Körper des Illusionisten zu sehen. Dieser Körper ist aber völlig bewegungsunfähig, obwohl das nicht so wirkt. Gleichzeitig bewegt man sich durch den Raum, und erzeugt eine Illusion, man sei nicht dort wo man ist. Dadurch wird man für die anderen unsichtbar.

Man muss im Prinzip, dafür sorgen, dass keiner den Illusionskörper berührt, dann fliegt der Zauber auf. Der Illusionskörper verschwindet und man selber wird sichtbar.

Auf der Bühne ist das natürlich eine Sensation! Der Pater wurde an unserem Tisch sichtbar. Es hat aber wohl keiner gesehen, weil alle zu der Serviererin sahen.”

„Was taten sie dann?”

„Wir warteten noch ein wenig, dann gingen wir kurz nach Hedwig und Herbert.”

„Sie gingen dann zum Bulli zu den beiden anderen Symfortd-Leuten?”

„Ja. Cliff Lorgan und Käthe Müller warteten auf uns mit laufenden Motor!”

„Sie stiegen alle ein?”

„Ja!”

„Und fuhren hinter Sengler her?”

„Nein. Es gibt eine hintere Ausfahrt zu der Straße, an der der Campingplatz

liegt.”

Bär sah mich an.

„Ja, und dann kann man über die Brücke zur gegenüberliegenden Raststätte fahren!” erklärte ich.

„Taten Sie das?”

„Ja! Wir fuhren nach Braunschweig. Die Gruppe ging zu Hedwig und reiste ins Mittelalter.”


„Dann wissen sie wahrscheinlich nichts über den Mord. Wenn Sie ihn nicht selber begangen haben.” Er wandte sich an mich „Kann man von der Brücke auf den Tatort sehen?”

„Ja!”

Er wandte sich wieder an unsere Gäste: „Ist Ihnen auf der Brücke etwas besonders aufgefallen?”

„Uns beiden nicht. Aber als uns ein Auto überholte, sagte Cliff: Oh der fährt ja Riski!“ sagte Sogan

Riski Lopp ?“ fragte ich erstaunt.

Bär blickte erstaunt zu mir rüber: „Sie kennen Richard Loppowski?“

„Ja, seid wir beide 3 Jahre alt waren!“

Bär wandte sich an Sogan: „Meinte er Riski Lopp?“ – „Ich weiß es nicht, er sagte Riski. Ich kenne ihn nicht.“

„Das könnte uns helfen“ murmelte Bär und wandte sich dann an unsere Gäste: „Danke, meine Herren!”

Ich brachte beide zur Tür und sah ihnen bis zur Straße nach. Der Garten war mir schon unheimlich genug. Da musste sich nicht auch noch ein sprechender Hund Rumtreiben.

Es heißt: Hunde, die bellen, beißen nicht. Von Hunden, die sprechen, gibt es keine mir bekannten Sprichwörter.

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