Im Mittelalter

„Sie müssen ins Mittelalter reisen und die Symfortd-Leute treffen.“

Ich hatte genug von Zeitreisen.

„Das ist doch ein gefährliches Terrain,” wandte ich daher ein „ich könnte unachtsam die Zukunft verändern, wenn ich einen falschen Tritt mache. Kann ich die Truppe nicht zu einer anderen Zeit aufsuchen.”

Altstadtrathaus Braunschweig 31.10.17
Altstadtrathaus Braunschweig 31.10.17
Schoduwel 2015
Schoduwel 2015

„Nein,” antwortete Bär bestimm, „erstens ist am ungefährlichsten wenn wir dieselbe Zeitdistanz zwischen der Tat bei Allertal und uns haben wie die Symfortd-Gruppe. Zweitens könnten die Leute bei Ihrem abenteuerlichen Leben das eine oder andere vergessen.

Drittens können wir mit Sicherheit annehmen, dass zumindest einige der Gruppe am Altstadtmarkt sind, wenn Breyer eintrifft.


Falls Sie irgend jemand treffen, den sie kennen, Hedwig und Grünfinger z. B., sprechen sie diese bitte nicht an. Ich vermute mal, dass diese zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Ihrer Existenz wussten.”

„Hedwig und Grünfinger? Können die auch durch die Zeit reisen?”

„Nein! Die beiden sind zu der Zeit zwei junge Weiße. Es wäre katastrophal, auch für Sie, wenn sich die beiden wegen einer Unbedachtsamkeit Ihrerseits den Schwarzen anschließen würden. Daher: Zaubern sie nicht unnötig, und wenn dann vorsichtig!”

Da ich nun das iii als Quelle hatte, bereitete ich mich besser auf meine Mission vor.

Ich las etwas über eine Schicht, ein Aufstand hervorgerufen durch Misswirtschaft und Geldknappheit. Mit einer neuen Münzordnung wollte der „Küchenrat“ der Sache Herr werden. Die Herrschenden hatten aber wohl nicht damit gerechnet, dass die ärmeren Bürger einen Aufstand, eine Schicht anzettelten. Ludeken Holland, Bürgermeister der Neustadt wurde als Anführer ausersehen. Ludeken Breyer - Bürgermeister der Altstadt - machte sich mithilfe des Ratsfischers über dem Bruch davon und zog nach Hildesheim. Der Bruch (der heute vom Bürgerpark eingenommen wird) war im Mittelalter der Weg für manchen Politiker oder Gauner, aus der Stand hinaus oder heraus.

Am Mittwoch nach Invocavit 1488 wollte Breyer auf Einladung der damaligen Stadtherren nach Braunschweig zurückkehren.

Ich kam etwas früher als Breyer an. Allerdings nicht aus Hildesheim, sondern aus der Zukunft bzw. Gegenwart, ganz wie Sie wollen.

Nun ist das nicht so, dass jemand, der einen anderen aus einer Mauer heraustreten sieht, auch glaubt was er sieht. Er wird eher glauben, dass er sich getäuscht hat. Denn es kann ja niemand aus einer Mauer heraustreten. Oder?

Außerdem befindet bzw. befand sich Cäsar Bärs Villa zu dieser Zeit in einer etwas anrüchigen Gegend: Der Nickelnkulk und Geiershagen.

 

Werder 2010
Werder 2010

Es lungerten einige Gestalten herum, eine Patrouille der „24“9 war am Ende der Straße zu sehen. Einer der Zauber die ich von Herbert gelernt hatte, war eine milde Form des Zaubers, den ich bei der Serviererin angewendet hatte. Der Zauber machte mich für die Herumlungernde und Patrouillierende uninteressant.

Ich folgtedem Verlauf des Nickerkulk und kam zur ‚Des Keyseres Strate’ zu Deiner Zeit Kaiserstraße wie mir Qi  wie ein Navi des 21. Jahrhunderts mitteilte. Qi meinte ich hätte etwas Zeit leitete mich über die ‚Rykes Strate’ (Reichsstraße) zur Andreaskirche. Ein vertrautes Bild. Weiter ging’s an der (wirklich) Alten Waagevorbei ging’s zum Sack. Die Straße führte durch das gleichnamige Weichbild, Braunschweigs ärmster Stadtteil im Mittelalter. Schließlich kam ich über die ‚Nyge Strate’ (Neue Straße) in der Altstadt an und kam schließlich zum Altstadtmarkt.

Hier war es voll wie am Sonntag vor Rosenmontag beim Karnevalsumzug.

 

Genau gesagt war ich am nächsten Morgen, am Freitag den 07.06.1975 um 9.00 Uhr nach dem Frühstück über die Lichtung geschritten und trat nach Umwegen über andere Dimensionen eine Woche nach dem Aschermittwoch 1488 aus der Stadtmauer. Ich hatte mich entsprechend ausstaffiert und trug Kleidung, die mich als Zeitgenossen ausgab.

Geiershagen 2013
Geiershagen 2013

Nur wo war ich genau?’ dachte ich. Ich ging von der Mauer die Straße entlang auf nach Süden. Linker Hand ging eine Straße und führte zu einem Fluss. ‚Die Oker?’

‚Ja die Oker“ vermittelte mir Qi. ‚Und Du bist auf dem Nickerkulk in der Neustadt, die Straße zur Oker ist Ghoydershagen. Die Oker ist die Grenze zum Hagen. Wenn Du über die Oker kommst und nach Süden gehst, kommst Du zum Hafen am Werder. Der liegt aber weitgehend im Hagen.’

1975 wusste ich selbstverständlich noch nichts von diesem Spektakel. 1978 war der erste, damals belächelte Umzug. Heute ist der Schoduvel „Braunschweiger Umzug ist mit mehr als sechseinhalb Kilometern Länge der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands“ Bär hatte mir Bilder der Gesuchten auf meinen Computer übertragen, aber das half in der Menge zunächst nichts. Qi meldete sich.

„Ich kann auch magische Dinge wie Ringe und Reifen orten. Außerdem habe ich die Bilder auch!“ Und es navigierte mich durch die Menge, die etwas lauter wurde.


Breyer war eingetroffen. Die Menge beschimpfte und bedrohte ihn, worauf er wendete und die Stadt wieder verließ.

Ich hatte inzwischen einige Ringträger gefunden. Aber sie waren nicht die Gesuchten, sie trugen auch keine Symfortd-Ringe, sondern EOD- und Reykianer-Ringe. Dann stolperte ich über einen Hund mit einem Kopfreif.

„Auch, dass noch,” entfuhr es mir „ein Hund mit einem Reif!”

„Und warum nicht?” fragte der Hund. Es war zwar ein Pudel, aber nicht Putzi.

Da mich kaum noch etwas erschütterte, fragte ich ihn: „Haben Sie zufällig ein paar Symfortd-Leute gesehen?” Ich ging dazu allerdings in die Knie, streichelte ihn und sprach sehr leise.

„Ja. Ich heiße im übrigen Drori.”

„Ach, wie geht es dem alten Kobold?”

Drori wartete nicht auf eine Antwort. Er wollte mir wohl nur zu verstehen geben, dass er über mich Bescheid wusste.

Er fuhr fort: „Da kommen Jean Metieramour und Frauke Gesandt.”

Ich sah die beiden in mittelalterlicher Kleidung auf uns zukommen und memorierte, was ich von den beiden wusste. Cäsar Bär hatte mich aufgefordert in unseren Computerdateien nachzusehen, bevor ich aubrach. Daher war mir ich einiges über die beiden bekannt, ich hatte auch Bilder von ihnen gesehen. Als die beiden mich erreichten sagte Jean, der seinen Hut ins Gesicht gezogen hatte, um seine schwarze Gesichtsfarbe zu verbergen:

„Sie? Wollen Sie uns mal wieder verhaften?” Er machte eine Bewegung mit seiner behandschuhten Hand. Die ganzen Bewegungen des schlanken Mannes wirkten tänzelnd.

Ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt, den ich spontan änderte.

 „Habe ich Sie schon mal verhaftet? In meiner persönlichen Zeit ist das noch nicht geschehen. Daher ist es nicht besonders schlau, darüber zu reden. Sie müssten mir allerdings einige Fragen beantworten!“

„Es wird sich wohl nicht vermeiden lassen.” sagte Frauke. „Lassen sie uns in die Schenke da drüben gehen, hier fallen wir nur auf. Das  können wir uns nicht leisten.” Ich folgte den beiden, Drori schloss sich an.

Es war kein leerer Tisch zu finden, an den meisten Tischen saß mindestens eine Person.

„Typisch für Braunschweig, nicht?“ meinte Jean. „Ich glaube ich habe herausgefunden warum sich die Leute nicht mit mehreren Unbekannten zusammensetzen.

In Braunschweig operieren seit jeher allerlei Gruppen, die nicht immer so geheim waren, wie sie zu Ihrer Zeit. Wir, die Reykianer, die EODisten und einige mehr. Kneipen sind ideal sich zu Verabredungen treffen. Die Ergebnisse dieser Treffen waren nicht immer positiv für die Stadt. Ich vermute darüber hinaus, dass Reykianer und EODisten Gerüchte in Umlauf gebracht haben. Das führte dazu, dass sich die Bewohner Braunschweigs verabredeten, in Kneipen alle Tisch zu besetzen, um solche Verabredungen zu verhindern. Und die Leute an den Tischen reden nicht so gern mit Fremden.

Da wir und die anderen Gruppen Magie beherrschen, können wir aber dafür sorgen dass wir zum Beispiel jetzt einen Platz haben.“

Einer der Zecher stand auf und bewegte sich zur Theke, blieb dort stehen und fing ein Gespräch an.

„An der Theke wird allerdings mit Fremden gequatscht.“ sagte Käthe achselzuckend.

Als wir Platz an den nun freien Tisch genommen hatten zog ich Qi heraus, machte ein wichtiges Gesicht und studierte meine zusammengetragenen Informationen noch mal: „Sie und Ihre Freunde ziehen schon einige Zeit miteinander rum?“

„Ja!“ kam es einsilbig aber zweistimmig zurück.

 „Und Sie haben sich auf der Lichtung Ankunft zum ersten Mal gesehen?“

„Ich nicht,“ sagte Jean, „die anderen schon!“

Ich wandte mich an Frauke: „Sie waren bis 1981 Zollinspektorin? Warum habe Sie das aufgegeben? Weil sie nun wissen, dass Sie eine Computermagierin sind?“

Frauke schaute mich mürrisch an: „Muss ich ihnen das erzählen?“

Drori mischte sich ein: „Erzähl es ihm! Umso schneller seid Ihr ihn wieder los!“

„Na gut! Ich hatte im Prinzip keine Wahl! Eines Tages bekam ich eine Diskette für meinen Computer. Ich schob diese Diskette in meinen Floppy. Auf dem Monitor erschien ein kleiner Kobold und streckte ihr die Nase aus.

Dann verschwand der Raum um mich herum.

Als ich wieder zu mir kam, saß ich auf einer Wiese bzw. einer Lichtung.

 


Später erfuhr ich, dass diese Lichtung Ankunft heißt.

Als ich mich umsah, erschienen ein paar andere Gestalten aus dem Nichts.“

„Da hatten sie noch keinen Ring?“

„Nein! Aber da Sie, als ich den Ring bekam in der Nähe waren und dies in Ihrer persönlichen Zukunft liegt, werde ich darüber lieber nichts erzählen! So ein Pet-Ki habe ich übrigens auch.“

Ich steckte Qi ein und wandte mich an Jean: „Sie kommen aus dem Dankwarden?“

„Nein, aber ich kann es als Sucher bereisen. Wie mein Vater. Das Dankwarden ist ein siebendimensionales ADPU. Die EODisten oder ihre Herren haben Steine und Wesen aus diesem ADPU in das Normal gebracht um Chaos zu erzeugen. Mein Vater fand einen Weg sie zurückzubringen. Er kam aber eines Tages nicht zurück.

Meine Mutter bekam eine Nachricht und seinen SYMFORTD-Ring. Später bekam ich beides. Wir stammen von Haiti.

Meine Mutter zog nach dem Tod meines Vaters nach New Orleans.

In New Orleans und im Dankwarden nannte man mich flic a la biseau val. Sie sind dann irgendwann in New Orleans aufgetaucht. Oder kommt das in Ihrer persönlichen Zeit noch?“

Ich nickte.

Ruhfäutchenplatz Juli 2013
Ruhfäutchenplatz Juli 2013

„Na ja, dann lassen wir das lieber. Wissen Sie was eine Ruhfaut ist?“

„So eine Art Tor, habe ich gelesen!“

„Ja ein Tor zwischen Normal und Dankwarden. Am späteren Ruhfäutchenplatz hier in Braunschweig ist so ein Tor. Irgendwie bin ich aus dem Dankwarden zur gleichen Zeit am Kattreppeln erschienen, als meine Freunde von Eden zurückkehrten.“

 


Eden ist die Insel, auf der Ankunft liegt?“

„Ja. Wir trafen uns übrigens am 30. Mai 1975. Ich vermute, dass Sie uns wegen der Geschichte an der Raststätte Allertal befragen wollen.

Wenn eine Ihrer Fragen ist, warum wir so schnell wieder aus der Zeit verschwanden, wissen Sie nun schon die Antwort“

„Was wollten Sie in Allertal?”

„Ein Bekannter von uns meinte, wir sollten dort mal vorbeischauen!”

„Der Gärtner?” fragte ich.

„Wenn Sie es wissen, warum fragen Sie dann?”

„Weil ich andere Aussagen überprüfe. Warum wollte der Gärtner, dass Sie dort vorbeischauen?”

„Das hat er so genau nicht gesagt. Er ist immer ein wenig unklar mit seinen Informationen. Er meinte, was die EODisten vorhaben, könnte sich auf eines unserer späteren Abenteuer auswirken. Es ging irgendwie um inter-temporäreren Waffenschmuggel. Er meinte, es sei schon sinnvoll wenn irgendwo Waffen auftauchen, die in dieser Zeit nichts zu suchen haben, zu wissen woher sie kommen. Er meinte unser Leben könnte in Gefahr sein, wenn wir es nicht wüssten.

Aber das sagt er immer. Ich weiß nicht, warum wir ihm immer wieder diesen kleinen Gefallen tun. Entweder weil wir ihm das mit der Gefahr glauben oder weil wir es für sinnvoller halten, seine Wünsche zu erfüllen, als stundenlang mit ihm zu diskutieren.”

„Ihr solltet ihm das schon glauben,” warf Drori ein, „unsereins sagt nichts ohne Grund.”

„Na ja,” sagte Frauke skeptisch.

„Haben Sie etwas Besonderes bemerkt, als sie in der Raststätte waren?”

Ich ging mit Ihnen die ganze Geschichte durch, erfuhr aber zunächst aber nichts Neues. An einer Stelle, als ich auf die Anwesenden einging, wurde ein neuer Name genannt: „Lee Nad.”

Ich ließ mir nicht anmerken, dass der Name neu für mich war. Wie man es schreibt, erfuhr ich später.

Sonst gab es nichts Neues.

„Wo sind die anderen?” fragte ich.

„Müssen Sie die auch noch sprechen.” fragte Metieramour.

„Mein Chef will das so!”

„Ich begleite Sie,” sagte Drori. „So geht es am schnellsten!”

Zunächst schien Metieramour Recht zu haben. Außer das ich meine Heimatstadt im 15. Jahrhundert kennen lernte, erfuhr ich nicht viel Neues. Mark Bull  und Mario Landani lungerten am Kohlmarkt herum.

In den mittelalterlichen Kleidern schienen sich beide nicht besonders wohl zu fühlen.

„Gefällt es Ihnen hier und jetzt nicht.“

„Zu viele Menschen!“ sagte Bull.

„Zu dreckig!“ sagte Mario

„Ihnen gefällt es auf Tennisplätzen besser?“ fragte ich Mario Landani

„Ja! Das waren noch Zeiten! Dann kam dieser Kobold Oethapap und verzauberte meine Schläger!“

„Oethapap?“

„Den Namen habe ich erst später erfahren. Kurz darauf kam dieser Anwalt, ich erfuhr dass ich von Tante Barbara das Haus geerbt hatte. 


Da fand ich den Ring und schwups landete ich auf einer Wiese und traf meine neuen Freunde! Und erfuhr dass ich ein Blender bin.“

„Und Sie wären lieber auf eine Prärie!“ fragte ich Bull

„Zumindest im Vergleich zu hier und jetzt!“

„Sie sind ein Algonquin? Und Sie waren einmal ein Medizinmann?“

„Ja! Und dann habe ich mich nach Ankunft getanzt! Ich wusste nichts von meinen Zaubertänzer-Fähigkeiten.“

Wie Metieramour versuchte Bull sein Gesicht und seine Hände zu verbergen. Zur Sache wussten die Beiden nichts neues, ließen sich aber zum Essen einladen.

Schloss-Arkaden 2007
Schloss-Arkaden 2007

Trotzdem hatte ich eine dumpfe Vermutung.

‚Richtig!’ bestätigte Qi, ‚hier ist später das Lindi!'

Bär hatte mir ein paar Fragen für Käthe und Cliff aufgetragen.

„Sie haben sich nach Eden gesungen?“ frage ich Cliff

„Ja vor der Katzenstele am 30. Mai 1985. Ich hatte kein Geld und übte öffentlich. Eine Katze strich um meine Beine. Dann verschwand alles um mich und ich war auf Ankunft! Ich bin halt ein Zaubersänger!“

Der Garten gehörte mir mal. Hasenwinkel. Mai 2018
Der Garten gehörte mir mal. Hasenwinkel. Mai 2018

Ich setzte ihn auf und mir wurde etwas schummerig.

Ich trat an die frische Luft.

Links von mir qualmte ein Feuer.  Im Blumenbeet lag eine Katze.

Wie kam das Osterfeuer in meinen Garten. Es zog mich magisch an.

Im nach hinein ist mir erst klar, das es echt magisch und nicht nur so dahin geredet ma­gisch war.

Ich ging in das Feuer und trat wieder heraus. Die Katze folgte mir.

Dann war ich am 3. April 1920.

Und traf dann die anderen der Gruppe.

Blieben noch Cliff Lorgan und Käthe Müller. Die beiden bildeten ein seltsames Pärchen in einer Kaschemme am Bohlweg(bzw. Uppe de Bolewech). Bei meinen Wanderungen durch das mittelalterliche Braunschweig, konnte ich, zumindest ab der Andreaskirche, meinen Weg mit den Örtlichkeiten der 1970ger Jahre vergleichen, Qi half mir dabei. Hier war ich ein wenig hilflos. Die andere Seite des Bohlwegs und die Verbindungen zum Burgplatz machten mich unsicher.

Trotzdem hatte ich eine dumpfe Vermutung.

„Sie stießen erst später zur Gruppe?“ fragte ich Käthe.

"Ja. Am 15. April 1995 stand ich vor meinem Plumpsklo in meinem Schrebergarten im Braunschweiger Osten auf. Es war Ostersamstag und ich wollte zum Osterfeuer. Ich zog meinen Overall hoch und suchte in meine Taschen nach Zigaretten.

Da fand ich den Ring. Ich zog ihn hervor und betrachte ihn. Dunkel erinnerte ich mich an den gestrigen Abend, als ich ihn etwas angetrunken aus diesem Kaugummi-Automaten zog. Er trug eine Art Siegel, die aus geschwungenen S und F bestand.


Ich wechselte zu den Ereignissen an der Autobahnraststätte.

„Sie waren die ganze Zeit auf dem Parkplatz. Warum?”

„Da lungerten ein paar Kerle rum, die wir kannten. Da war es besser den Rückweg zu sichern,” erläuterte Lorgan. „Wir vereinbarten, dass ich das mit Käthe übernahm.”

„Kerle?”

„Einmal dieser Pater.”

„Magnus?”

„Ja, ich glaube. Ich kann die Kerle nicht auseinander halten.”

„Er war's!”, sagte Käthe Müller knapp.

„Dann dieser Altrassler, dieser Therm. Der tut zwar immer so naiv. Aber er ist mir nicht ganz geheuer.”

„War da noch jemand den sie kannten?”

„Nein, niemand den ich kannte. Allerdings war da noch ein Soldat, der an einem Militär-Pkw lehnte.”

„Sprachen sie mit den anderen?”

„Nein. Wir drei, beobachteten uns gegenseitig.”

„Drei, nicht der Soldat.”

„Dem schien das alles gleichgültig. Er schien auch zu keiner Gruppe zu gehören. Da die anderen beiden ein Auge auf ihn hatten, beobachteten wir ihn auch. Aber er rührte sich nicht.”

„Kurz nach Ihnen kam Ronald Leyden.”

„Leyden?”

Ich beschrieb ihn.

„Ich habe ihn gesehen.” sagte Käthe „Ein toller Kerl!” Sie blickte lüstern.

„Kurz nach dem er kam, ging Larson.”

„Ja! Er verschwand in Richtung der hinteren Straße. Bald darauf kam Ari. Er ging zunächst zur Brücke. Kam dann aber zurück. Er verbarg sich hinter ein paar Büschen. Ich habe ihn aber trotzdem gesehen.”

Mit keinem Mucks verriet ich, dass wir von Aris Anwesenheit bisher keine Ahnung hatten.

„Nein. Als sie kamen berichtete Sogan, das Sengler die anderen wahrscheinlich erpresst hat.”

„Warum vermutete er das?”

Putzi hatte das am Tisch von Mon-An und der EODisten aufgeschnappt, als Sengler gerade ging. Putzi wollte nicht reden.“

Die Schilderung der Rückfahrt deckte sich mit dem Bericht der anderen.

Eine Frage hatte ich noch an Cliff Lorgan: „Sie haben auf der Brücke gesagt: ‚ Oh der fährt ja Riski!’ Meinten Sie Riski Lopp bzw. Richard Loppowski?“

„Ja, den meinte ich. Er überholte uns mit einer Ente!“

„Was tat er?”

„Er beobachtete uns. Wie wir ihn.”

„Als Herbert und Hedwig kamen, haben sie ihnen von Ari erzählt.”

„Nein, sie winkten uns nur zu und gingen in Richtung hintere Ausfahrt.”

„Und den anderen ihrer Gruppe.”

„Woher kennen Sie ihn!“

„Ich bin ihm schon einige Male begegnet!“

„Danke, mehr möchte ich nicht wissen!“

Auf dem Weg zurück zum Nickelnkulk blieb ich östlich der Oker im Hagen und kam zum Okerhafen am Werder. Ich war einfach neugierig wie es dort aussah. Ich beobachtete wie Fässer mit Mumme verladen wurden. Als ich mich umsah, gewahrte ich überrascht, dass Drori auch da war. Neben ihn stand ein Frau, über die ich schon ein wenige recherchiert hatte: Loretta Reyk. Sie sah jung und attraktiv aus.

Hagenmarkt Braunschweig 2011
Hagenmarkt Braunschweig 2011

Als sie mich sah, lächelte sie verführerisch: „Hallo Baldi!“

„Du kennst mich also auch schon!“

„Ah! Du mich nicht? Wir werden noch Spaß miteinander haben!“

„Darauf freue ich mich schon. Aber jetzt wirst Du darüber dich sicher

nicht weiter äußern, oder?“

Als sie nichts sagte, fragte ich: „Aber über die Reykianer kannst Du mir sicher etwas sagen.“

„Mal sehn!“

„Wann hast Du diese Gruppe gegründet und warum!“

„Wann ist etwas schwierig. Da Du in der Nähe warst – sein wirst, als ich Drori kennen lernte, solltest Du über meinen Abflug nicht so viel wissen. Nur soviel, damals gab es die Reykianer schon. Ich arbeitete in einer Werkstatt am Bruch, die von Arigeleitet wurde. Als Drori dann auf der Erde landete, erfuhr ich von meinem Auftrag:

Ich sollte die Erde vereinen, so dass sich diese dem 2. Galaktischem Bund anschließen kann.

Ich bekam außerdem dem Rat mich an Irene zu wenden. Als ich dann schließlich Kontakt zu Ihr aufnehmen konnte, empfahl sie mir einen weltumspannenden Konzern aufzubauen. Kapitalismus wäre die Gesellschaftsform der Zukunft. Da ich meine ersten Gefolgsleute in der Antike anwarb, konnte ich eine ziemlich gute Basis legen.

Zur Zeit wird eine weitere Person angeworben, ich hoffe Du hast die Symfortd-Gruppe nicht über Gebühr aufgehalten und sie bei der Rettung von  Dorthe von Damme gestört.

Dummerweise gab Irene diesen Rat auch meinen Gegnern, der EOD.

Zum Zeitpunkt meines Starts wird es zwei Weltumfassende Konzerne geben. Und ein paar kleinere, wie dem von Mon-An.“

Sie blickte über die Oker. Als ich auch über die Oker schaute, standen dort ein sehr kleiner und ein sehr großer Mann. Sie schienen direkt aus einer Filmklamotte oder einem Comic entsprungen zu sein.

„Mehr zu sagen ist nicht klug, glaube ich!“ meinte Drori.

Ich ging weiter nach Norden Richtung Stadtmauer. Ich spürte, dass ich die Oker nicht überqueren musste um aus dem Mittelalter zu verschwinden und machte mich zeitauf davon.

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