Schule der Magie

Der Rest des Dienstags sowie der Mittwoch der 10. Juni 1975 gehörten zu den Tagen, die ich nie vergessen werde. Nicht weil viel los war. Im Gegenteil.

Bär saß an seinem Computer und spielte.

Das Spiel hieß: „Ein Kobold ärgert das Universum!”

Ich saß da, langweilte und ärgerte mich.

Der Kobold bestand allerdings auf meine Anwesenheit, für den Fall das etwas passierte.


Ich drehte Däumchen und maulte vor mich hin. Das Spiel, so dachte ich, sollte heißen: „Bär ärgert Schlechtverlust.“

Von Zeit zu Zeit, mitunter mitten in einem wichtigen Auftrag wird Bär von seiner Spielsucht befallen.

Dann lässt er sich nur unwillig von seinem Computer wegreißen.

Diese undankbare Aufgabe fällt in mein Arbeitsgebiet.

Nach dem Mittagessen am Dienstag, als wir vor Bärs Gartenaktivitäten bei der obligaten Tasse Kaffee zusammen saßen, wagte ich einen Vorstoß: „Haben Sie einen Auftrag?”

„Ja, halten Sie Telefonwache.”

„Es ruft keiner an!”

„Woher wissen Sie das. Sie können doch nicht in die Zukunft sehen, oder?”

„Nein, bisher nicht!”

„Also gut. Versuchen Sie Sogan zu finden, besuchen Sie ihn und klären Sie die offenen Fragen. Danach versuchen Sie rauszukriegen, wo sich diese Symfortd-Gruppe aufhält. Wenn Sie es wissen, suchen Sie die Leute auf und klären ebenfalls die offenen Fragen. Aber in dieser Reihenfolge, bitte!” donnerte der Kobold und verschwand im Garten.

Ich rief zunächst die Nummer des Illusionisten an. Dort meldete sich eine Frau: „Schule der Magie.”

„Schlechtverlust,” meldete ich mich. „Ich möchte bitte Sogan sprechen.”

„Er ist zurzeit nicht erreichbar. Wollen Sie einen Kurs belegen?”

„Nein. Ich muss ihn sprechen”

„Er kommt um 18.00 Uhr in die Schule. Hat dann aber einen Kurs, und danach eine Besprechung. Sie könnten ihn um 19.30 Uhr sprechen.”

„Können Sie ihn nicht erreichen?”

„Leider nicht.”

Sie legte auf.

Ich widmete mich dem Computer, der mir hinsichtlich des Aufenthalts der Symfortd-Leute helfen sollte. Die Angelegenheit ist etwas kompliziert und ich war noch etwas ungeübt.

Auch trödelte ich bei der Suche ein wenige herum, da ich mich sonst wieder langweilte.

Dennoch fand ich bald ihre Spur und war etwas verwirrt.

Ich wandte mich an Bär, der inzwischen zurück war, und störte ihn beim Spielen: „123 n.d.S. was heißt denn das?”

Der Kobold unterbrach sein Spiel nach einiger Zeit und fauchte mich an: „Ich habe Ihnen doch beigebracht, wie man den Computer bedient. Sehen sie dort nach!” und nahm sein Spiel wieder auf.

Ich suchte wieder in den Computerdateien und wurde fündig. Allerdings verwirrte mich die gefundene Antwort mehr als sie meine Neugier befriedigte. Auf dem Bildschirm erschien:

N. d. S. = Bedeutete nach dem Start von Loretta Reyk ins All. Das Datum ist nicht genau zu er-mitteln. Aber Du Balduin wirst zu jedem beliebigen Zeitpunkt nach dem Start finden. Nur soviel beim Jahr des Starts befindet sich eine Zeitweiche.“

Als ich am Abend bei der Schule der Magie eintraf, kam mir ein Mann entgegen, der mir zunickte. Sein Nicken war spontan. Es war so eine Art Vorsichtsgruß.

So grüßt jemand, der sich sicher nicht sicher ist, dass der andere einen auch kennt bzw. erkennt.

Ich wusste ihn zunächst auch nicht einzuordnen. Ich brauchte ein paar Sekunden um ihn wieder zu erkennen. Es war der Hauptgefreite Kallwinkel. Es ist merkwürdig, wie ein Mensch durch eine Uniform (oder besser durch eine Nicht-Uniform) verändert wird.

„Ah,” sagte ich „sie waren heute mit dem General bei uns.”

„Ja! Und mit den Tres Patres!” antwortete er und ging

„Ist der Hauptgefreite einer Ihrer Schüler?” fragte ich kurz darauf Sogan.

 „Ja, aber eine unbegabter. Er ist nicht magisch veranlagt. Wir sind ja laufend auf der Suche nach Talenten. Darum teste ich hier die Leute, die zu mir kommen mit einem magischen Stock. Aber Kallwinkel zeigte keinerlei Reaktionen. Aber ihm macht die nichtmagische Zauberei wie vielen anderen Spaß, er bezahlt seine Lehrgangsgebühren."

Ich kam zu den Gründen meines Besuches.

„Sei waren auch am Tisch der EODisten!” bluffte ich wie mir Bär aufgetragen hatte.

„Das haben sie also herausbekommen. Also gut. Ich habe mich in dem Tohuwabohu, das einsetzte als die Kellnerin schrie, an den Tisch der EODisten herangemacht. Sengler ging gerade. Die EODisten und Mon-An waren stinksauer. Sie wollten vor allem die undichte Stelle in ihrer Organisation finden. Mon-An meinte, vielleicht hätte ein Zweifelhafter sie belauscht. Aber die EODisten meinten, dass sei unmöglich.”

„Finden Sie das auch?”

 „Ich weiß es nicht!”

„Aber ich!” sagte Putzi, der neben Sogan stand. „Und ich erkläre, dass wir diese Einzelheiten nicht wussten. Und wir hätten auf keinen Fall einen Mann wie Sengler eingeschaltet. Bei einem Erpresser weiß man nie, wen er im nächsten Moment erpresst!”

„Und wenn Sie das vorher nicht gewusst hätten. Wenn Sengler von Ihnen für Ihre Machenschaften eingespannt wurde und sich nun gegen Sie wandte und auch erpresste. Das ist doch ein Mordmotiv.”

„Wir beauftragen für unsere Machenschaften, wie sie es nennen, nur Symfortd-Leute!”

„Wer’s glaubt wird selig!” murmelte ich.

„Wir haben mit glauben und selig sein wenig am Hut!” betonte der Zweifelhafte.

„Wie sind sie eigentlich zur Raststätte gekommen?” wollte ich noch wissen.

„Mit dem Auto!” sagten beide gleichzeitig.

„Und die magische Barriere, haben Sie bemerkt?”

„Nein! War da eine? Vielleicht hat einer der anderen Symfortd-Leute gezaubert! Sie müssen sie fragen!”

„Das habe ich vor!” erklärte ich und machte mich auf zur Villa.

Weiter mit: 123 n.d.S.

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