Zwei ganz kleine Leute und ein fast Großer

„Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass Sie Kontakt zu den beiden haben, zumal in Ihrer Ahnenreihe Wesen wie Herbert zu finden sind. Und er kann Ihnen einiges Nützliches beibringen!” sagte er, als er leicht kauend aus der Küche zurückkam."

„Also ich bin ein Sucher! Können Sie mir erklären, was das ist?”

„Ein Sucher ist ein Cybrid eines Menschen, eines Terraners und eines Mitglieds der Alten Rasse, auch Turaner genannt. So wie ein Cybrid eines Kobolds und eines Menschen ein Computermagier ist. Zum Zaubern brauchen die Cybriden allerdings magische Dinge: Separable oder Inseparable.”

"Separable oder Inseparable?“

„Meinen Brief an Sie habe ich durch das Magium gezogen und damit zu einem separablen Gegenstand gemacht. Ihr permanenter Reif ist von Wollo gemacht und wurde von Krishan durchs Magium gezogen.“

„Wichtel brauchen keine magischen Gegenstände, Messieurs!” Eine piepsige Männerstimme kam vom Regal mit den Computerspielen her. Gleichzeitig war sie in meinem Kopf.

Auf dem Regal standen zwei sehr kleine Wesen, die meiner Vorstellung von Wichteln nahe kam.

„Darf ich vorstellen: Porbars  und Achille, zwei meiner Partner.”

Die beiden nickten zu ihren Namen. Der kleinere, dickere von beiden, war elegant in schwarz gekleidet und war derjenige der sich mit leichtem französischen Akzent in unser Gespräch eingemischt hatte. Er sagte:

„Hauptmann! Ich bin Achille.” „Hauptmann“ hörte sich wie ‚auptmann’ an, hätte nicht Bär bereits von Achille gesprochen, man hätte meinen könne er hieße Hachille.

Er winkte mit seiner Melone.

Der andere größere schlankere trug eine karierte Hose, eine karierte Jacke und hat eine karierte Mütze in der Hand. Er sagte „Doktor, ich bin Porbars und freue mich Ihre Bekanntschaft zu machen.”

Sein Akzent klang englisch.

„Sie müssen sich nicht immer in den Vordergrund drängen. Natürlich freue ich mich auch, endlich den Hauptmann kennen zu lernen.”

Porbars ist im Übrigen 14 cm, Achille 12 cm groß.

„Ruhe!” fauchte Cäsar Bär, „Zanken Sie nicht immerzu. Ich habe einen Auftrag für Sie. Dr. Schlechtverlust wird Sie nach Allertal bringen. Dort werden Sie den Tatort untersuchen. Sie, Balduin werden das Personal nach ein paar Dingen befragen, die ich Ihnen auftragen werde.”

Dann zog er eine Schreibtischschublade auf und gab mir einen Ausweis.

Es war die Lizenz für einen Privatdetektiv Balduin Schlechtverlust, ausgestellt am 3. August 1970. Aber ich hatte nie eine Lizenz beantragt. Ich hatte es aber inzwischen aufgegeben, mich zu wundern.

Ich vermute, Bär benutzte meinen Vornamen, weil Achille mich Hauptmann nannte und Porbars Doktor zu mir sagte. Ich bin im Übrigen tatsächlich Hauptmann der Reserve. Die beiden blieben – auch als sie mich später duzten – bei Hauptmann und Doktor.

Es war das erste Mal das Bär meinen Vornamen benutzte und mich Siezte. Er blieb dabei.

Mit FranzDorothea und Cjue duze ich mich inzwischen.

„Aber zunächst werden wir im Keller einen Wagen aussuchen,” sagte Bär, rutschte von seinem Sessel und steuerte zum Fahrstuhl. Die Wichtel verschwanden in einer kleinen Tür in der Wand. Sie benutzen ihren eigenen Fahrstuhl.

Der, den Bär und ich benutzten, war aus glänzendem Stahl außen wie innen. Es gab keine Knöpfe.

„Keller,“ sagte Bär als wir eingetreten waren und der Fahrstuhlkorb raste förmlich nach unten. Ich hatte das Gefühl, mein Magen sei noch oben, als ich die Fahrstuhltür sich wieder öffnete. Ich staunte wieder einmal. „Keller” war die Untertreibung des Jahrhunderts.

Vor mir breitete sich eine riesige Tiefgarage aus, die mit Oldtimern regelrecht voll gestopft war.

Wie ich später feststellte erstreckte sich die Tiefgarage über mehrere Etagen in einem eigenen ADPU.

Hinter einem der Oldtimer kam ein kleiner Mann hervor, der aber größer war als Bär.

145 cm groß

„Darf ich Ihnen ein weiteres Mitglied unseres Teams vorstellen: Cjue. Er ist unser Techniker und ein Zwerg. Cjue, das ist Dr. Balduin Schlechtverlust, unser neuer Mitarbeiter. Balduin muss mit Porbars und Achille eine kleine Spritztour unternehmen. Wir brauchen einen geeigneten Wagen.”

Cjue musterte mich misstrauisch: „Können Sie Auto fahren?”

„Ja! Ich habe einen Führerschein!”

„Cjue, wie brauchen einen Wagen ohne viel Schnickschnack.”

„Wir haben – wie Sie wissen – überall Schnickschnack eingebaut.”

Er wandte sich an mich

„Benutzen sie keinen der Sonderknöpfe, dass könnte gefährlich werden, wenn Sie noch nicht voll eingeweiht werden. Und,” er drehte ich sich zum Regal um, auf dem inzwischen Porbars und Achille standen „Ihr auch nicht.”

„Keine Sorge, Erdbuddler!” sagten die beiden Wichtel im Duett.

„Ich hätte hier eine schöne Isetta!” bot Cjue, die Bemerkung der Wichtel ignorierend, an.

„Erstens, ist die mir zu klein, zweitens würde das auffallen.” gab ich zu bedenken. „Wie wäre es mit dem alten Mercedes dort in der Ecke?”

„Zuviel Schnickschnack,” meinte Cjue eifrig.

Nach einigen hin und her bekam ich einen Käfer Jahrgang 49. Cjue gab mir noch etwas Schnickschnack mit. Er erklärte mir die Funktionen der Geräte sehr detailliert. Ich kam mir vor wie ein Schüler, dem man zum ersten Mal das kleine Einmaleins erklärte.

Dann gab er mir einen kleine Kasten: „Das ist Qi , Ihr Pet-Ki!“

„Pet-Ki?“

„Persönliche Elektronische Taschen-Intelligenz.“

„Wofür steht das ‚K’, oder ist es ein ‚C’ oder ein ‚Q’.“

„In Pet-Ki, ein ‚K’, für künstlich.“

Ich vergaß damals nach der Schreibweise von Qi zu fragen. Ich weiß nicht, ob ich es hätte tun sollen. So wurde ich später einige Male überrascht.

„Und was kann ich damit tun?“

„Zunächst sollte Sie es zum telefonieren benutzen.“

Ich schaute das Pet-Ki an. Telefonieren? Das Pet-Ki veränderte sich und zeigte eine kleine Tastatur mit den 1-9 in drei Zeilen. Darunter ein „*“, eine „0“ und ein „#“.

Tastentelefone gab es in Deutschland erst in den 1980ern.

Dann sprach der Kasten: „Du kannst die Nummer eingeben oder mir die Nummer nennen. Vielleicht weiß ich die Nummer auch!“

„Qi weiß die Nummer, die Sie nachher brauchen,“ sagte Bär. „Meine!“

Dann erklärte er mir seinen Plan.

Der besorgte Blick des Zwerges brannte förmlich in meinem Rücken als wir die Tiefgarage verließen. Die Wichtel hatten sich auf dem Beifahrersitz niedergelassen. Sie sind zwar recht klein, aber volljährig.

Ich startete den Wagen und folgte den Schildern Richtung Ausfahrt.

Sie führten mich in einen Raum, in dem der Wagen gerade hineinpasste.

Als ich drin war senkte sich hinter mir eine Tür und der Raum bewegte sich nach oben. Ein Lift für Autos! Nach einiger Zeit stoppte der Lift. Vor dem Wagen rollte das Tor nach oben. Ich fuhr raus und orientierte mich. Ich befand mich auf einem Gelände zwischen Inselwall, Schubertstraße, Am Wendentor und. Die Ausfahrt

führte auf die Schubertstraße. Ich bog nach links und fuhr über die Bammelsberger- und Huttenstraße zum Wendenring, dann weiter über die Hamburger Straße zur Autobahn.

Dort blickte ich kurz zu den Beiden und dachte: ‚Wenn die Beiden jemand sieht...’

„Keine Angst, wir können uns verkullern!“ meinte Porbars

Zum Beweis wurden sie vor meinen Augen zu einer Kugel, schrumpften auf Erbsengröße und verschwanden.

„Na ja, dass ist auch nicht gerade unauffällig!“

Die Wichtel erschienen wieder und Achille sagte: „Wenn Sie das vorgestern gesehen hätten, hätten Sie Ihren Augen geglaubt!“

„Mmh, ich glaube nicht.“ erwiderte ich vorsichtig

„Wahrscheinlich hätten Sie geglaubt, sie hätten sich getäuscht!“ behauptete Achille.

„Und wir hätten sie mental dabei unterstützt!“ fügte Porbars hinzu.

„Mental?“ fragte ich.

„Da wir sehr klein sind, ist auch unsere Stimme sehr leise. Daher wurden wir in die Lage versetzt uns telepathischzu verständigen. Außerdem wollte man vermeiden, dass jemand auf uns tritt und gab uns die Fähigkeit andere mental zu beeinflussen.“ sagte Achille

„Man?“

„Die Herrscher des Imperium Ninoto, genauer gesagt No und seine Leute.“ meinte Achille.

„Imperium Ninoto?“

„Das würde jetzt zu weit führen. Wir sind übrigens da!“ mischte sich Porbars ein. Tatsächlich war dort die Autobahnraststätte Allertal.

Die Uhr zeigte 19:30 Uhr. Die Zeit schien wie im Flug verflogen zu sein. Irgendwie zu schnell. Hatten die Wichtel vielleicht irgendwie die Zeit oder mich manipuliert?. Ich fuhr den Wagen in eine Parkbucht und stieg aus.

Ich holte etwas Schnickschnack in Form eines lenkbaren Flugzeuges aus dem Kofferraum des Wagens. Die Wichtel hatte schon darin Platz genommen. Für einen Beobachter sah es so aus, als würde ich das Flugzeug mit meiner Fernbedienung lenken. Aber die Wichtel konnten viel besser lenken als ich.

Ich weiß bis heute nicht, ob ich hören sollte worüber sich Porbars und Achille beim Abflug unterhielten.

Achille: „Er ist so schlau und gewieft wie wir gedacht haben. Er hat sogar unsere Manipulationen gemerkt, als wir nicht mehr antworten wollten.“

Porbars: „Ja, Du hast mehr gesagt als zurzeit sinnvoll ist. Ich weiß nicht ob es sinnvoll, dass er jetzt schon vom Imperium Ninoto erfährt.“

Achille: „Er hat mich übertölpelt! Er ist raffiniert! Und irgendwann muss er auch vom Imperium Ninoto erfahren!“

Porbars: „Ja! Irgendwann! Ah, hier scheint es sinnvoll zu sein abzuspringen!“

Sie sprangen mit Fallschirmen ab und das Flugzeug kehrte per Autopilot zu mir zurück. Ich machte dabei ein wichtiges Gesicht und kam mir reichlich albern vor.

Dann ging ich in die Raststätte.

Ich fand die von Ronald beschriebene Serviererin. Sie war stämmig und machte einen erfahrenen Eindruck.

Ich stellte mich vor. Dann befragte ich sie. Um zu sehen ob mein neuer Zauber wirkte, fragte ich sie zunächst nach dem Zwischenfall.

Sie konnte sich an nichts erinnern.

Nun brachte ich meinen Zauber zum Einsatz und fragte erneut.

Sie erschauerte und ich musste sie erst beruhigen.

Dann berichtete sie: „Ich kam um die Ecke und der neue Kellner stand faul an die Anrichte gelehnt herum. Ich stieß ihn an und... durch ihn hindurch. Ich stürmte in den Saal und da kam der Kellner auf mich zu. Dann ... erinnerte ich mich an nichts mehr. Merkwürdig!”

Ich sorgte dafür dass sie es nicht mehr merkwürdig fand, indem ich ihr die Erinnerung wieder nahm.

Ich hatte gerade meine Zauberei beendet, als mich eine telepathische Nachricht von Porbars erreichte.

Ich ging zu meinem Auto und holte ein weiteres Spielzeug hervor: Einen fernlenkbaren Hubschrauber. Während ich so tat als lenkte ich das Spielzeug, beobachtete ich ihn mit einem Fernglas. Der Hubschrauber landete, nahm die Wichtel auf und flog an einem Baum vorbei. Dort entdeckte ich, was der Wichtel mir bereits mitgeteilt hat: Ein Gewehr, und zwar kein modernes.

Als der Hubschrauber und die Wichtel wieder im Auto waren rief ich Bär mit dem Pet-Ki an.

Das Pet-Ki ist auch ein Handy. Heute sind Handys zwar in allen Händen. Damals gab es sie in dieser Form noch nicht.

Kobolde finden Menschen, die an allen Ecken herumstehen, telefonieren und wichtig tun, komisch.

Darum haben sie für die Verbreitung der Handys gesorgt.

Bär hörte mir zu und wies mich an die Polizei zu rufen und auf sie zu warten. Gedankenlos fragte ich Qi nach der Nummer, es verband mich.

Als die Polizei kam, machte ich meine Aussage.

„Dahinten habe ich mit dem Fernglas ein Gewehr in einem Baum gesehen.”

„Wieso haben Sie ein Fernglas benutzt?”

„Weil ich meinen Hubschrauber beobachtete!”

„Hubschrauber?”

„Ich habe ein Hobby.” log ich und zeigte ihm das Flugzeug und den Hubschrauber.

Die Polizisten sahen mich merkwürdig an und nahmen meine Personalien auf.

„Ist das die Waffe mit dem der Journalist erschossen wurde?” fragte ich neugierig und wollte ihnen folgen.

„Sie können nicht mitkommen.”

„Aber ...”

Der Polizist mit dem meisten Lametta auf der Schulter unterbrach mich: „Sie fahren am besten weiter.”

Das wollte ich nur. Porbars und Achille hatten schon alles untersucht.

Ich fuhr allerdings nicht weiter, sondern zurück nach Braunschweig.

Dazu fuhr ich von der Raststätte nicht auf die Autobahn zurück, sondern über die Hinterausfahrt auf die Landstraße. Dann fuhr ich auf die Brücke, die die Autobahn überquerte. Ich hielt an und stieg aus. Von dort konnte ich die Polizisten sehen, die in dem Waldstück nach Spuren suchten. Mit dem Fernglas ging es noch besser. Ich hatte genug gesehen. Ich stieg ein und fuhr zur anderen Seite der Autobahn, über die Hintereinfahrt auf die Raststätte an der Autobahnseite Richtung Süden.

Hier konnte man bequem auf die Autobahn und nach Braunschweig fahren.

Die Rückfahrt wollte ich dazu nutzen, weitere Informationen zu sammeln.

„Die Erbsen, in die Sie sich verwandelt haben,“ begann ich, „erinnern mich an eine Geschichte. Kommt Ihr aus Mainz.“

„Nein. Die Geschichte hat sich übrigens nicht in Mainz und auch nicht auf der Erde zugetragen, sondern auf Zolfan VII.“

„Ein anderer Planet? Ihr kommt von einem anderen Planeten, der Zolfan VII heißt?“

„Nein, wir kommen von einen anderen Planten, der Erbse heißt!“

„Und der gehört zum Imperium Ninoto?“

„Nie so richtig, später gehörte er zum 1. Galaktischen Bund!“

„Das hört sich aber reichlich nach Science-Fiction an!“ sagte ich halb aus Überzeugung, halb um zu provozieren!

„Doktorchen: Du wirst bald merken, dass auf der Erde es eine Reihe von Dingen gibt die sich noch mehr an Science-Fiction anhören!“

„Und an Fantasy!“

„Sowie an Mystery, die alle Verschwörungstheorien von denen Du bisher gehört hast in den Schatten stellt!“

Die beiden waren sehr erregt.

„Und Geiershagen gibt es übrigens auch schon sehr lange!“

„Und unser Volk hat großen Anteil daran.“

„Weil Ihr so platzsparend seid?“

„Ja! Und nun reicht’s!“

„Nur noch eine Frage: Cäsar Bär sprach von Eure Königin! Lebt Ihr in Monarchie oder seid Ihr mit den Bienen verwandt?“

„Ich wüsste nicht, was Dich unser Liebesleben etwas angeht!“

Die mentalen Reize, die ich empfing, ließen mich verstummen. Ich wollte die beiden nicht noch mehr reizen.

Ich war nicht sicher, wozu sie fähig waren, wenn sie richtig wütend waren.

Später, als ich Bett lag, ließ ich den ereignisreichen Tag Revue passieren.

Es gab Aliens (die sich Spacer nannten) auf der Erde, die scheinbar in verschiedenen Gruppierungen gegeneinander agierten. Um das der ganze noch eine Krone aufzusetzen, wurde mir erklärt, dass auch ich zur Hälfte ein Spacer, ein Cybrid wäre. Das ganze hätte mir eigentlich den Schlaf rauben müssen. Dann hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich den Schlaf gesungen wurde. Dass Gefühl trog nicht, ich schlief auch bald ein.

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