Sol und Freya

Da erhob sich ein Murren und Raunen durch die Reihen der Knechte. Und sie sprachen zu Sol:

„Siehe, wir müssen kämpfen und arbeiten wie alle anderen haben aber keine Stimme im Thing!“ 

Das Buch Bruno

Die Knechte sind – historisch gesehen – unser vierter Stand. Zu Beginn unserer Zeitrechnung waren sie streng genommen nicht einmal Sachsen. Als wir aus unserem Alten Ländern an der Nordsee erobernd  südwärts zogen, hat sich unser Stände-System entwickelt. Die jungen Adeligen mit ein paar Getreuen - den späteren Freien – eroberten neue Gebiert. Die ersten unterworfenen Stämme gaben Krieger ab: die Liten - Halbfreie.

Später dann nahmen wir weiteres Land, die darauf lebenden wurden zu unseren Knechten; rechtlos, nicht einmal Menschen im eigentlichen Sinne.

Sol – ihre Göttin – hat schon am Beginn unserer Zeitrechnung für ihre Gleichberechtigung geworben. Aber erst allmählich konnte sie sich durchsetzen. Sie hatte auch die Knechte aufgestachelt, die sich in Knechtschaften zu organisieren begannen.

Im dritten Irminsul-Bund wurden die Knechte in den Kreis der Sachsen aufgenommen. Vor allem die Freien hatten sich mächtig wiedersetzt.

Heute sind die allgegenwärtig: als Arbeiter in den Fabriken, als Schreiber in den Amtsstuben, Großunternehmen und Handelsbetrieben, als Büttel, und so weiter und sofort.

*

Ilona wurde von Astrid zum Bahnhof begleitet. Am Bahnhof des Blockbezirks wartete bereits an Stadt-Sondernwagen zum südlichen Fernbahnhof. Sie luden die Koffer in den Sonderwagen. Die Geschwister verabschiedeten sich. Am Fernbahnhof wartete der Zug des Burg-Herren mit seinem Stab auf sie.

Leo sag sie lächelt an. Doppel. 

„Ich begrüße Sie als meine neue Mitarbeiterin!“ 

Er sah zu einem jungen Mann hinüber: „Los geht's“

Zu einem zweiten Mann gewandt sagte er: „Zeigen Sie Ilona bitte ihr Abteil.“

Ihr Abteil nahm etwa einem halben Wagen ein. Ein Bett, eine Sitzgarnitur und ein abgetrennter Raum mit Toilette und Bad gehörten dazu.

Sie platzierte ihr Gepäck und machte sich ein wenig frisch. Dann ging sie zum Stabwagen zurück

Leo winkte sie heran: „Setzen Sie sich!“ forderte er sie auf. 

Aus de Fenstern sah sie, dass der Zug über dem sächsischen Wald dahinglitt. Irgendwo auf dem Boden sorgte eine Magnetspur für die Richtung und die Höhe. Die Fuhrknechte saßen dennoch konzentriert vor ihren Armaturen.

„Die fragen sich sicherlich was wir an der Grenze wollen.“ sagte der Bund-Herr und fuhr nach einem kurzen nicken Ilonas mit einer Frage fort. 

„Was wissen Sie über den Christlichen Bund?“

Ilona Antwort zögernd. 

„Der christliche Bund ist ein Bund christlicher Demokratien und Monarchien.“

„Und im Prinzip neben der Arabischen Liga unsere einzigen wirklichen Gegner.“ ergänzte Leo. 

„Was für uns umso gefährlicher ist, weil wir von Ihnen von allen Himmelsrichtungen eingeschlossen sind. Wenn man die Reformstaaten im Norden hinzunimmt, die wenn sich auch nicht mit Romübereinstimmen, uns für die größte Gefahr halten. 

Da haben es die mit uns verbünden Länder einfacher“

Leo lächelte und war dann weiter fort 

„In letzter Zeit ist es allerdings zu einigen gefährlichen Entwicklungen gekommen. Ein paar geniale Druiden aus dem naturwissenschaftlichen Disziplinen, deren Erfindungen wir nicht realisiert haben, sind zu den Christen übergelaufen. 

Früher war das mal anders herum. Nun haben wir uns auf dem Things mit guten Grund gegen sie entschieden mit nachdrücklichen göttlichen Rat. Verbrennungsmotoren und verheerende Waffen werden zum Beispiel zur Zeit unter der Schirmherrschaft des Vatikans entwickelt.

Wir können dieser Entwicklung nicht tatenlos zu sehen. Die Waffen könnten wir abwehren. Die Folgen würden uns aber alle treffen. Die Umweltzerstörung die unter anderem von dem Verbrennungsmotoren ausgeht, würde sich auch bei uns auswirken. Es ist Zeit, eine Wende der Politik gegenüber den christlichen Leben einzuläuten.

Es geht zunächst um Öffentlichkeitsarbeit!“

„Öffentlichkeitsarbeit?“ staunte Ilona  

„Ja,“ antwortete Leo. 

„Ein Journalist ist bereit in unser Land so einzureisen und von unserem Land zu berichten. Der Mann spielt eine wichtige Rolle in unserem Plan. Sie und ihre Geschwister übrigens auch“

Ilona schluckte.

„Können Sie das ein wenig erläutern?“

„Nein!“ Sagte Leo mit überraschende Deutlichkeit in seiner Stimme. 

„Zum einen ist es zur Zeit noch nicht sinnvoll. Zum anderen kenne ich den Plan in seiner Gesamtheit selbst nicht.“

Und er fügte mit unsicherer Stimme hinzu: „Es ist ein göttlicher Plan!“

Ilona fragte sich was der Senior-Bund-Herr wusste. Bisher hatte er das Stichwort Kwasir noch nicht angebracht. 

Ob dies geschah, weil er es vor den Ohren der anderen seine Stabes nicht wollte oder weil er sich nicht ist nicht kannte, war ihr unklar. 

Sie würde jedenfalls weisungsgemäß das Wort nicht anbringen.

Weiter mit Mani 

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