Sol und Wodan

Den Wald, die Wiese, den Fluss und das Meer schütztet ebenso wie die Tiere, die in diesem Leben und über ihn schweben

Widukinds Gesetze

Dem Los-Tag folgt bei uns der Erst-Thing-Tag. Diese beiden Tage sind im gesamten Gebiet des Sachsen-Bundes Feiertage. Sie fallen in die vorletzte Woche des SiWo des Wodan, die Woche Wodan und Jörd.

In der merkwürdigen Welt, von der ich in Freya und Donar berichtet habe, ist der Sonntag der freie Tag, ebenso wie in den christlichen Gebieten jenseits unserer Grenzen. Das entspricht in unserer Woche dem Solstag. 

Der Los-Tag ist der Manistag, der Erst-Thing-Tag der Jördstag.

Es ist der vorletzte Thing-Tag  der Stände im Jahr und auf ihn werden die neuen Mitgliede der Stände aufgenommen, daher der Name Erst-Thing. In der Regel entsprechen die Grenzen der Standschafft, das ist die unterste Gliederung eines Standes in den Grenzen eines Gebietes. Wenn aber in den Gebieten Minderheiten eine Standes wohnen, schließen sich diese anderen Standschaften an.

Diese Probleme haben Liten selten. In den Dörfern und in den Waldsiedlungen in bilden sie als Bauern die Mehrheit. Da die Bauernhöfe und die Waldgebietet genossenschaftlich organisiert sind, gibt es kaum Knechte, es sei denn als Bewohner in den Siedlungen, die aber meist eigentlich Bezirke und Blöcke bilden. Die einzigen den Bewohner neben den Liten sind Händler, Schreiber und Druiden.

In den Städten und Siedlungen gibt es meist genügend Handwerker, um in den Bezirken und Blöcken eigentlich Standschaften zu bilden.

Clodwig fuhr mit ein Vorortzug zu einer kleinen Waldsiedlung im Osten der Stadt Braunschweig. 

Ich habe bei der Sichtung der letzten Unterlagen festgestellt, dass die Hochstein-Gruppe in Braunschweig wohnte. Dort lebe auch ich.

Am Bahnhof sah er kleine und große Gleiter stehen. Die Wald-Leute gehörten zu den wenigen, die eigene Gleiter haben, da sie riesige Gebiete zu befahren hatten.

Im Norden des Platzes standen die Transportwagen der Holz-Transporteure, ebenso wenig wie Kühlwagen der Wild-Transporteure, daneben Fahrzeuge für Touristen. Die Händlerhäuser lagen mit ihrem Thing-Platz dahinter. 

Am östlichen Rand des Platzes gegenüber dem Bahnhof lag die Wache der Wald-Feuerwehr. Die Feuerwehrleute, sammelten sich mit den anderen Schreibern in der Siedlung auf ihrem Thing-Platz naher der Wache. 

Die Mannschaftswagen der Waldbauern standen im Süden des großen Platzes neben den kleineren Fahrzeugen, die den Förstern und Hegern für ihre Kontrollflüge dienten. Clodwig gint zügig zu diesen Gleitern hinüber. Dahinter war die Wohnsiedlung in der Liten, ein Schild wies zum Thing-Platz. 

Der Standschaffts-Herr ging auf ihn zu, als er sich der Gruppe der Liten ins Ausbildung näherte Anschluss

Waldemar der Wald-Herr.“ stellte er sich vor.

„Ludwig hat Hochstein.“ versprach er sich und korrigierte sich sofort mit hochroten Kopf: „Der Heger.“

Waldemar lächelte: „Das passiert mir sogar heute noch manchmal. Außerdem willst du deinen ad-Namen auch weiterhin. Wenn du ihn auch selten benutzt. Aber es kommt vor, das sich mehrere Personen mit dem gleichen Namen treffen, in einem Gebiet wohnen oder in einem Betrieb arbeiten. Da ist der Ad-Name oft sehr hilfreich.“

So beruhigt, schlug das Herz des jungen Liten weniger heftig. Die Ereignisse von gestern waren nicht gerade angetan, den ohnehin nervösen Mann zu beruhigen. 

Inzwischen trafen alle neuen Liten ein, die von Waldemar begrüßt worden. Irgend jemand schien unbemerkt eine Liste abgehakt zu haben. Denn plötzlich ertönt eine Glocke und Waldemar meinte nur: „Nun sind alle Liten in Ausbildung scheinbar da.“

Die Zeremonie begann, dem Liten in Ausbildung wurden von einem Standschafts-Sekretär aufgerufen und traten zum Standschafts-Herr. Der nahm sie mit Handschlag in den Stand auf und streifte ihm das Gewand der Liten über.

Danach wandte sich der Standschafts-Herr allen Versammelten zu und ermahnte sie bis zum großen Thing ihre Standesangehörigkeit nicht zu vergessen. Dann war die Zeremonie beendet.

Clodwig sah sich suchend um. Irgendwo mussten die Leute seiner Gruppe sein. Ein älterer Lite kam auf ihm zu.

„Clodwig?“ fragt er vorsichtig und fuhr als dieser nickte fort: 

„Ich bin Holger, der erste Heger vom Bärenwald-Viertel. Wir haben in der Waldstation eine kleine Willkommensfeier für Dich und die anderen neuen Liten arrangiert. Du kommst doch mit?“

Sie gingen zu den Gleitern und bestiegen mit Förstern und Waldbauern einen großen Mannschaftswagen.

Die Waldstation bestand aus zwölf Gebäuden: das Hotel für die Wald-Touristen, dem Wald-Bauernhof mit den dazugehörigen Werkzeugschuppen und Pferdestall, dem Försterhof mit Schuppen, die Schreiber-Station, dem Haus des Tierarztes und die Heger-Station mit den Gehegen für kranke und junge Tiere.

In der Mitte der Station war ein großer Feuerplatz an den mehrere Tiere über den Feuer schmorrten.

Clodwig war erst einmal auf einem Schulausflug so tief im Wald gewesen wie heute. Er genoss die frische Luft. 

Am Rande der Feier sagte Holger zu ihm „Wir sind übrigens ausgelost an dem großen Thing in Marklo teilzunehmen. Eine große Ehre für uns. Und ein gewiss ein gelungener Neuanfang für Dich.“ 

Ob das mehr ein Zufall war. Doris hatte eine solche Nachricht aus dem Erzhütten mitgebracht.

In der Burg warteten Elmar, Friderike und Gerfried mit ähnlichen Nachrichten auf ihn. Elmars neue Fakultät hatte den Auftrag bekommen das Thing zu dokumentieren. Friderikes Balett-Ensemble hatte Auftritte an der Irminsul, wozu die neuen Auszubildenden mitgenommen wurden. Und der Fritz Transportunternehmen war mit umfangreichen Warentransporten beauftragt. Ilona, die inzwischen auf dem Weg nach Wiesbaden war, hatte als Schreiber Leos ebenso an der Irminsul zu tun. Nur Astrid war noch nicht unter für den Thing Gelosten. Aber das konnte ja noch kommen. Das musste du mehr als ein Zufall sein.

Anmerkung

Die Bezeichnung der Kapitel entspricht den Wochen, in dem ich sie verfasst habe, nicht den Wochen der Handlung.

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