Die Lichtung

Dieser Roman wurde 2019 überarbeitet

© 2019 auch für die Bilder by Lutz-Rüdiger Busse (siehe auch: Copyright)

Die Zeichnungen sind in der zweiten Hälfte der 1980er Jahren entstanden. Meine ersten Versuche mit Mal- bzw. Grafikprogrammen auf Plus/4 oder Atari. Inzwischen habe ich sie eingefärbt. Es sind keine Meisterleistungen. Ich bin auch kein Meister im Malen.

Ich könnte es heute auch nicht besser.

Es ist aber nostalgisch.

Mario Landani, Wo?, Wann?

 Um mich verschwand plötzlich alles, es schien sich ein grauer Schleier um mich zu legen. Als dieser sich lüftete saß ich im Gras auf einer Lichtung. Rings herum standen Bäume und Sträucher.

Plötzlich tauchte vor mir eine Frau auf. Sie wirkt irgendwie „amtlich.“ Sie hat einen kleinen viereckigen flachen Gegenstand in der Hand.

Im Gebüsch hörte ich es an zwei Stellen rascheln.

Ich wandte mich zunächst den Geräuschen zu. Beim ersten Geräusch sah ich im Wald ein halb durchsichtiges Wesen. An seinem Rücken scheinen Flügel zu sein.

Das Wesen murmelt: „Verdammt die SYMFORTD-Leute haben einen Blender rekru­tiert.“

Beim zweiten Geräusch stand ebenfalls im Wald ein kleines Männchen mit einem Buckel.

„Interessant,“ kichert es.  „Da steht eine Computer-Magierin. Das kann ja heiter werden!

Es sei denn, der Blender betritt den Wald. Dann kann selbst ich wahrscheinlich nicht mehr lachen!“

Nun wandte ich mich der Frau zu.

„Hallo,“ sagte ich. „Kennst Du Dich hier aus?“

Es sprudelte förmlich aus ihr raus:

„Ich bin Zollbeamtin, wohne und arbeite in Braunschweig in der Kasernenstraße und heiße Frauke Gesandt. Ich habe zu Hause einen Computer. Ein Freund hat mir diese Diskette geschickt.“

Sie hob den flachen Gegenstand hoch.

„Ich habe sie in den angeschalteten Computer getan. Auf dem Bildschirm erschien daraufhin ein kleines Männchen. Er steckte mir die Nase raus, dann wurde der Bildschirm dunkel.

Ich habe die Diskette herausgerissen.

Da wurde es um mich dunkel.

Dann war ich plötzlich hier.

Und was machst Du hier?“

Ich war etwas verwirrt: „Du hast einen Computer zu Hause?“ - „Ja, ist das so unge­wöhnlich. Es ist ein Atari 800.“

„Ein Atari?“

Mir kam ein Verdacht. „Aus welchem Jahr kommst Du?“

„1981. Wir haben heute den 13. Februar. Und Du. Was machst Du hier. Wo bin ich hier?“


Ich wollte gerade meine Geschichte erzählen

Da hörte ich plötzlich ein paar Gitarrentöne, gefolgt von einer rauen, rockigen Stimme.

Wir drehten uns in die Richtung der Töne, dort stand ein langhaariges, nicht sehr elegantes Individuum, das verwirrt aufhört zu spielen und zu singen

„Auch noch ein Hippy!“ stöhnte ich.

Hinter dem Sänger im Wald  hörte ich ein weiteres Geräusch.

Im Wald stand eine große schlanke Gestalt mit spitzen Ohren. „Erfreulich,“ sagte sie, „Da ist ein Zaubersänger. Wenn er die richtigen Töne herausbringt, kann die Welt ja gerettet werden. Allerdings darf der Blender nicht vom Weg abkommen!“

„Ich find den Hippy auch nicht gerade pralle, aber wir sollten schon mit ihm reden,“ sagte Frauke.

„Ich heiße Cliff Lorgan und bin aus Liverpool“ erklärte der Hippy,

„Ich stand in Braunschweig am Kattreppeln an der Katzenstele und habe gesungen. Wir nennen das öffentlich üben. Wenn das Geld ein wenig knapp ist. You know?

Dauernd ist eine Katze um meine Beine gestrichen. Und dauernd hörte ich diese Stimme: 'Spiel doch Sympathy for the Devil.'

Das habe ich dann gemacht.

Und schon war ich hier.

Hey Alter was soll das hier?“

Cliff sah zu seinen Füßen hinunter. Da stand ein Schlapphut voller Münzen.

Cliff nahm die Münzen, steckte sie ein und setzte den Schlapphut auf.

„Welchen Tag, glaubst Du haben wir?“

„Den 30. Mai 1985! Wieso? Wo bin ich?“


Ich setzte wider zu einer Erklärung an, da sah ich aus den Augenwinkeln eine Gestalt erscheinen. Als ich genauer hinsah, stand da eine kräftige rothaarige Frau im roten Bademantel.

Im Wald dahinter stand eine kleine, kräftige Gestalt, die murmelte:

„Endlich mal eine Frau, die weiß was arbeiten heißt. Die Elektromagierin wird’s schon richten. Nur der Blender könnte alles gefährden!“

„Du findest die Tante im Bademantel wohl nicht attraktiv, was? Aber Du solltest schon mit ihr reden,“ sagte Frauke.

 Cliff klimperte eine wenig auf der Gitarre und sang rockig rauchig: „Geh zu der Frau, eh in rot, nicht in blau, yeah.“

„Ich heiße Kristina Mach.“ sagte Frau im Bademantel, „Ich habe einen Wohnwagen. Ich saß in Granville, Frankreich im Urlaub in meinem Wohnwagen und wollte Fernsehen. Meine Fernbedienung war an vergangenen Tag kaputt gegangen. Da hab ich mir eine neue gekauft.

Aber irgendwie funktioniert sie nicht wohl so wie ich gedacht habe. Ich habe ge­drückt und nun bin ich hier.

Sag mal Jüngelchen, was ist das hier? Ein Teil des Campingplatzes, den ich noch nicht kenne?“

„Bevor ich es erkläre. Welches Datum haben wir heute?“

„14. Juli 1989. Vive la france. 200 Jahre französische Revolution. Nun Du!“

Campingplatz Granville Frankreich 1989
Campingplatz Granville Frankreich 1989

Ich setzte wieder an, da kam die Krönung.

Ich sah in den Augenwinkeln eine sehr merkwürdige Gestalt

Sie war bis auf einen Lendenschurz und einen Schulterumhang aus Fell nackt, hatte eine rötliche Haut, trug auf dem eine Art Haube mit zwei Hörnern dran. In der Hand trug er eine Lanze. Der Mann tanzte ein paar Schritte, hört dann auf, sah sich verwirrt um und fuchtelte dann wild mit der Lanze herum.

Ein Wilder? Ein Indianer?

Im Wald dahinter stand eine alte Frau mit einem Besen.

„Ah ja ein Zaubertänzer. Netter Mann, er muss nur noch die richtige Schritte machen. Der Blender könnte allerdings die falschen Schritte machen und alles gefährden.“

„Der Junge sieht gefährlich aus, ab vielleicht gelingt es ja diesem Hippy ihn milde zu stimmen. Die beiden sehen sich ja ein wenig ähnlich!,“ sagte Frauke.

Kristina sagte: „Hör mal mein Junge, Du redest mit ihm und ich schleiche mich von hinten an und wenn er Zicken macht, schmeiße ich mich auf ihn.“

„Hey, der sieht ja aus wie Winnetou. Nee, eher wie ein Medizinmann.“

„Ich kannte drüber in den Staaten mal einen Schlagzeuger, der von den Algonquin abstammte. Ich habe eine zeit lang mit ihm in einer Band gespielt. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden. Aber vielleicht sind beide nur Indianer.“ sagte Cliff.

Als ich mich dem Indianer näherte, stieß dieser ein paar unverständliche Laute auf und richtet den Speer auf mich.

„Tatsächlich“ sagte Cliff, „er spricht Algonquin! Mein Schlagzeuger, der Algon­quin hat mir ein wenig von seiner Sprache beigebracht.“

Cliff wendete sich an den Indianer und führte mit ihm ein stockendes Gespräch in Algonquin, englisch, französisch und deutsch. Dann berichtete Cliff: „Soweit ich verstanden habe, ist er ein ritueller Tänzer der Algonquin. Er hat einen Tanz ausge­führt, um die Weißen Männer zu verjagen.“

„Versuch mal herauszubekommen, wie sein persönliches Datum ist.“

Die beiden palaverten eine zeit lang miteinander.

„Er heißt Roter Büffel und kommt von einer Insel namens Manna-hata.“ erklärte Cliff. „Das ist glaube ich das heutige Manhattan. Sie hatten damals etwas Stress mit den weißen Männern. Ich habe mal in einen New Yorker Reiseführer gelesen, dass holländischer Kaufmann den Algonquin Manhattan abgekauft habe. Die Indianer haben das aber nicht richtig verstanden, da sie mit Begriffen wie „Eigentum“ und „Landkauf“ bzw. „Landverkauf“ nichts anfangen konnten. Das war glaube ich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert.  Und nun Du, bitte!“

Die Zeichnung habe ich mit dem PC vermutlich in den 1980ern selbst gemalt. Konnte ich nicht besser.
Die Zeichnung habe ich mit dem PC vermutlich in den 1980ern selbst gemalt. Konnte ich nicht besser.

Nun erzählte endlich meine Geschichte, zeigte auch die Karte und den Brief sowie den Ring. Cliff übersetzte so gut er konnte dem Algonquin die Geschichte. Auch die anderen tauschten ihre Geschichten aus, soweit sie noch nicht allen bekannt waren. Nun hielten Kriegsrat inmitten der Lichtung. Ob die Drehung des Ringes alle hierher gebracht hatte?


Wir sollten den Weg nehmen der aus der Lichtung führt!“ schlug Frauke vor.

„Wir sollten die Lichtung noch mal genau untersuchen.“ meinte Kristina.

Der Algonquin zeigte auf die Karte, an der Stelle wo das Haus steht. Dann ging er forschend herum, fuchtelte mit den Armen und sprach in seiner Sprache.

Cliff erklärte: „Roter Büffel, sagt der Ausgang führe nach Süden. Auf Deiner Karte  müssten wir auf der kleinen Lichtung im Nordwesten sein.“ Roter Büffel zeigte auf die Karte. „Roter Büffel meint wir sollten zu der Lichtung mit dem Haus gehen.“

Wir brachten auf.  Meinen Tennisschläger, den ich die ganze Zeit in der Hand ge­habt hatte, packte ich in meine grüne Tennistasche, die hier auf dem Boden stand.

Neben dem Weg, der aus der Lichtung führte, saßen zwei Vögel auf einem Baum.

Sagt der eine: „Da gehen sie hin. Ich kann nur hoffen, dass sie alles gesehen und ge­hört haben auf dieser Lichtung.“

„Ja, ja,“ sagt der andere.

Ich hoffte mit dem ersten Vogel.

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