Meier & Co.

Dieser Roman wurde 2019 überarbeitet

© 2019 auch für die Bilder by Lutz-Rüdiger Busse (siehe auch: Copyright)

Cliff Lorgan, Braunschweig 30. Mai 1975

Wir besorgten noch zwei Lederrucksäcke für den Roten Büffel und mich, die Jean mit einigen Dingen aus verschiedenen Abteilungen der Kaufhäuser mit der Be­merkung: „Man weiß ja nie, wofür man das noch brauchen kann“ belud.

Als ich mich zu der Bemerkung durchrang, ob er nicht auch einen Rucksack brauche und etwas tragen wolle erklärte er: „Ein Rucksack passt doch nun wahrlich nicht zu meinem Anzug. Außerdem habe ich alles Notwendige dabei.“

Er sah wieder den Roten Büffel an und erklärte: „Dein Name ist etwas auffällig. Nun wir können ja den Englischen Namen Red Bull verwenden. Aber zusätzlich einen etwas weniger auffälligen. Was hältst Du von Mark. Mark Red Bull. Finde ich schön.“

Dabei tänzelte er um den Algonquin herum. Dabei kam mir eine Idee. „Bist Du auch ein Tänzer wie Bull.“

„Nein!“ er war entsetzt. „Nichts für Ungut Mark. Ich habe nichts gegen Tänzer. Ich tanze auch ganz gern. Die Tanzmagie ist aber nichts für mich. Aber ich bin lieber was ich bin: Ein Sucher. Auch Steinsucher genannt. Aber nun lasst uns zu diesem Meier gehen.“

Dieser Meier oder besser gesagt: Meier und Co. musste in der Frankfurter Straße zu finden sein. Ich suchte eine Telefonzelle. Mark wartete draußen, Jean kam mir hinein. Im Telefon-Buch stand eine Nummer ohne Adresse oder weitere Zusätze, nur Meier und Co. Ich rief einfach mal an. „Meier & Co - Autoreparatur,“ klang es aus dem Hö­rer.

 Ich habe ein Problem mit meinem Käfer,“ sagte ich. „Kann ich mal bei Ihnen vor­beikommen.“

„Ja!“

„Wie finde ich Sie?“

„Wenn Sie das nicht wissen, woher haben sie meine Telefon-Nummer?“ klang es misstrauisch aus dem Hörer.

Mark war mit seinem Ohr nahe am Hörer, ich hielt es etwas ab.

Er machte ein Zeichen, dass ich als abbrechen deutete. Und ich legte auf.

„Was ist das für ein Apparat?“ wollte Jean wissen

„Ein Telefon,“ erklärte ich, „kennst Du das nicht?“

„Doch, aber zu meiner Zeit, sah es noch ein wenig anders aus?“

„Zu Deiner Zeit?“

„Ich wurde 1845 geboren.“

„Das habe ich nach Deinem Auftreten nicht angenommen, dass das alles für Dich normal zu sein schien!“.

„Ich war in ganz anderen Gegenden, so dass das hier alles relativ normal ist.“

Er machte ein kleine Pause und sagte dann: „Ich hoffe das half dem Padre nicht uns zu lokalisieren.“

„Padre?“

„Ihr seid wirklich neu im Geschäft. Tres Patres, das sagte Dir nichts, wie? Na Du wirst sie noch kennen lernen.

Weißt Du wo diese Frankfurter Straße ist.“

„Ja, es nicht sehr weit.“

Die Werkstatt fanden wir nach einigem Suchen. Es machte nichts aus, dass der Ein­gang an der Straße „Am Alten Bahnhof“ lag. Jean war es, der die Werkstatt fand. Er blieb hin und wieder stehen, hob seinen Ringfinger suchend vor sich oder über sich.

Als wir hinter den Alten Bahnhof gelangten, murmelte er „Ein Bruch. Ich vermute sogar, dass es der Bruchist.“

Wir fanden die Werkstatt. Genauer gesagt, fanden wir zwei Werkstätten. Die trau­lich nebeneinander lagen.


An der einen, linken stand „Meier und Co.“ - an der anderen „Ari und von Damme.“

Auf dem Hof von Ari und von Damme stand ein VW-Käfer aus dessen offener Küh­lerhaube zwei blaue menschliche Hinterteile herausragten.

Ari ?!“ zögernd und leise kam das aus Jeans Mund.

Die beiden Hinterteile bewegten sich fast synchron aufeinander zu, die Oberkörper drehten sich links und rechts aus dem Auto heraus, machten auf den Hacken kehrt und so blickten zu uns herüber: eine Frau und ein Mann in Schlosseranzügen.

„Le flic a la biseau val! “ sagte der Mann.

„Ari!“ sagte Jean, nun sicher und bestimmt, und tänzelte auf sie zu, „Dorthe!“

Wir folgten zögernd.

„Cliff, Mark“ begrüßte uns der Mann, der allem Anschein nach Ari hieß. „Aber ohne Ringe!“

„Sie sind gerade rekrutiert worden.“ sagte Jean, „und scheinen Euch auch noch nicht zu kennen.“

„Oh“ sagte Ari, „dann geht es Euch wie uns einmal, als Ihr in unseren Leben auf­tauchtet und alle radikal verändert habt. Aber das liegt noch vor Euch.“

„Mir ging es ebenso.“ sagte Dorthe „Ich glaube aber, dass meine erste Begegnung mit Euch in Eurer nahen Zukunft liegt. Aber kommt erst einmal mit.“

„Warte!“ sagte Ari. „Ich glaube es ist besser wenn Ihr Loretta Reyk nicht trefft!“

„Loretta Reyk?“ fragte Jean. „Die Gründerin Eurer Organisation ist hier?“

„Ja, allerdings hat sie diese noch nicht gegründet. Und da Ihr alle drei an ihrem Start be­teiligt werden seid, ist es besser Ihr seht sie nicht. Versteckt Euch hinter dem Bulli.“ Er zeigte auf einem alten VW-Bus. Wir folgten seiner Anweisung.

Ari und Dorthe gingen in die Werkstatt, kurz darauf erschien eine junge Frau, die eiligst den Hof verließ.

Dorthe kam heraus und winkte uns herein. Die Werkstatt schien innen größer als draußen zu sein. Sie stand voll mit alten Autos verschiedener Marken. In der linken Ecke sahen wir eine halbe Treppe hoch ein Büro hinter großen Fenstern. In der rech­ten Ecke waren einige futuristische Geräte.

„Ich habe überlegt,“ sagte Ari. „Ihr wollt sicher zu unseren Nachbarn. Ich darf und kann Euch nicht daran hindern. Da drüben links ist eine Tür, die noch nie benutzt wurde. Wahrscheinlich wurde sie nur für Euch gebaut. Benutzt Sie. Wenn ich Euch noch mehr sage, könnte das schreckliche Auswirkungen haben!“

„Wahrscheinlich hast Du Recht!“ meinte Jean. „Kommt!“

Da Jean zu wissen schien was er tat, folgten wir ihm. Wir waren wahrscheinlich zu verwirrt um eigene Entschlüsse zu fassen.

Jean öffnete mühelos die Tür. Wir standen in einer Werkstatt, die zwar spiegelver­kehrt aber sonst fast identisch zu sein schien. Links neben dem Büro, das rechts an die Wand zur anderen Werkstatt grenzte, waren eine Art Schienen zu sehen. Im Büro waren zwei Männer.

„Ein Padre, wahrscheinlich Pater Magnus und Karl Meier.“ flüsterte Jean und zog uns hinter einen alten Opel.

Links von den Schienen erschien aus dem Nichts plötzlich eines der Baufahrzeuge, die wir von Eden kannten. Zunächst das Führerhaus, dann nach und nach der Rest des Fahrzeuges.

Die beiden Männer kamen aus dem Büro und besahen sich die Maschine.

„Das ist die letzte,“ sagte Meier, „schicken wir sie zurück bevor diese SYMFORTDleute die Zeitquelle dieser Maschinen entdecken.“

Die beiden Männer gingen zurück ins Büro.

„Kommt,“ forderte uns Jean auf und schlich zu dem Baufahrzeug. Wir folgten zö­gernd.

Als wir das Fahrzeug fast erreicht hatten, bewegte es sich auf das Büro zu und verschwand zusehend in einer Art Nebel.

„Verdammt!“ rief Jean und richtete sich, jede Vorsicht außer Acht lassend auf und stürmte dem Fahrzeug hinterher, Bull schloss sich ihm an, ich folgte etwas zögernd.

„Verdammt!“ schrie kam es nun zweistimmig aus dem Büro. „SYMFORTD-Leute! Wir müssen sie in eine andere Zeit schicken als die der Maschinen!“

Plötzlich schoss auf uns ein kleiner Nebel zu, der uns kurzfristig einhüllte. Als er uns freigab standen wir in einem Lagerhaus

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