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siehe aber auch Quellen Projekt

Vom Krähenfeld zum Bahnhofsviertel

Schon auf alten Karten ist das Krähenfeld oder Kreyenfeld. Eine davon habe ich soweit verändert, dass sie - so hofft der Autor - nicht mehr unter das Urheberrecht fällt.

In einem zweiten Schritt habe ich versucht anhand von weiteren Karten und Luftbildern Straßen, Bahnlinien und Campes Garten zu markieren.

Die von mir vermutete Lage Campes Garten habe ich grün gestrichelt umrandet. Auf diesen Garten gehe ich im Zusammenhang mit Viewegs Garten ein. Angaben E. H. Lehne zufolge haben Campe und seine Vorgänger größere Bereiche des Krähenfelds und der Stadtbefestigung erworben und zum Teil wieder verkauft.

Westlich des Krähenfeldes verläuft (hellrosa) die Salzdahlumer Straße (heute im nördlichen Bereich Böcklerstraße), zwischen dieser und der Wolfenbütteler Straße (pink) liegen Gärten. Im Norden und Osten (grün) verläuft die Campestraße. Alle drei Straßen werden ab 1860 bebaut. (Diese und die weiteren Angaben zur Bebauung dieses Gebietes nach Pingel)

Ab etwa 1870 entsteht die Helmstedter Bahn mit dem Bahnhof St. Leonhard – später BS-Ostbahnhof - im Süden dieses Gebietes. 

Als Informationsquelle über das Gebiet kann das Kapitel „Das Krähenfeld“ aus dem „Braunschweiger Bilderbogen“ von A. H. Lehne, die mit richtigen Namen Anna Helene Graff hieß. Nach den Kindheitserinnerungen der Autorin war das Krähenfeld eine Mischung von Gärten, Industriebetrieben und Künstlern. Der Bericht enthält Anekdotisches, zum Beispiel über den Ritter Friedrich von Voigtländer und dessen Ausritte. Voigtländer wohnte hiernach Wolfenbütteler Straße 1, die später von A. Rimpau erworben wurde und von Constantin Uhde neu aufgebaut wurde. Neben Voigtländer erwähnt sie auch die Zichorienfabrik Graß und Marckwort an der Campestraße und den Zimmermeister Munte. 

Auch den ältesten Kegelklub Deutschlands verortet die Autorin in der Campestraße, die „Barmherzigen Brüdern“ gegründet vom Holzhändler Johann Anton Weizt im Kottéschen Haus mit Kegelbahn im Garten. 

Unter den Künstlern im weitesten Sinne ist vor allem ist vor allem Wilhelm Raabe hervorzuheben, aber auch die Tonkünstler und Komponisten Richter und Fehland, die Malerinnen und Maler Tacke, Buchheister, Helene Danktworth, Anna Löhr, Herrmann Huisken und Georg Wolters (dessen Vater Oberfeuerwerker war) werden aufgelistet. Auch Professor Hänselmann und der Promenadeninspektor Kreiß werden als Krähenfelder genannt. Der junge Georg Wolters wird übrigens als Mitglied der „Roten Korah“ genannt, einer Art Jugendbande genannt. Diese Krähenfelder Klintern prügelten sich wohl oft mit den die besseren Schulen besuchenden Jungen.

Lehne grenzt das „Gartenviertel“ Krähenfeld zwischen Wolfenbütteler Straße und Viewegs Garten, zwischen Glacis (dem Wall mit den Gärten davor) und dem Lämchenteich ein, und erklärt, dass die Bewohner sich selbst die „Krähenfelder Bauern“ nannten.

Ab Ende der 1860ger Jahre wird das Krähenfeld zwischen Salzdahlumer Straße und Campes Garten bebaut. Ab 1870 geschieht dies planvoll - und zwar mit dem erstem Stadterweitungsplan der Stadt Braunschweig, entworfen von C. Tappe. Es entstehen mit wechselnden Namen und Verlauf (näheres siehe unter den jeweiligen Straßen):

  • Autorstraße ab 1868
  • Adolfstraße ab 1878
    • Wilhelm-Gymnasium ab 1885
  • Bertramstraße ab 1860
  • Charlottenstraße ab 1879
  • Campestraße ab 1860
  • Friedrichstraße 1868
  • Friedrichplatz 1893, aufgelöst und zum Teil im Berliner Platz aufgegangen.
  • Gerstäckerstraße
    • Kleine Bertramtwete ab 1860
    • Kleine Bertramstraße ab 1873
    • Gerstäckerstraße ab 1906
      • Friedhof der Domgemeinde sei 1720
      • Konservenfabrik  F. Falk
  • Heitbergstraße ab 1888, 1960 im Zuge des Bahnhofsneubau abgerissen
  • Limbeckerstraße ab 1883, aufgegangen in der Viewegstraße
  • Spohrstraße ab 1894 (vorher Teil der Viewegstraße, heute Georg-Wolters-Straße)
  • Viewegstraße ab 1867 (vorher Limbeckerstraße, aber teilweise heute Georg-Woltersstraße)
  • Riedestraße Starmagistrat 14.11.1889

(zu den Informationen dieser Liste siehe Straßen außerhalb des Walls)

 

Auch Verbindungen zur Wolfenbütteler Straße entstehen. 

  • Leisewitzstraße ab 1872 (hellbraun, hier findet sich auf dem Originalplan schon ein breiterer Weg)
  • Elmstraße ab 1868 (blau gepunktet, und als Verlängerung zum Friedrichplatz gelb gepunktet; später Heinrich-Büssing-Straße, jetzt Heinrich-Büssing-Ring)
  • Riedestraße ab 1889 (rot gepunktet.

(zu den Informationen dieser Liste siehe Straßen außerhalb des Walls)

 

Entlang der Helmstedter Bahn, die das Wohngebiet im Südosten begrenzt ist über die Lutterstraße (1874 bis 1956 – Abriss wegen Hauptbahnhof) und über die ehemalige Schillstraße (die heutige Schillstraße war früher die Wörthstraße -) der Lessingplatz zu erreichen.

Im Norden entsteht schon ab 1860 die Bertramstraße (weiß). Auf dem Gelände der ehemaligen Stadtbefestigung wird die Adolfstraße ab 1877 gebaut. Vom Knick der Campestraße das Gebiet mit der Stadt über Ottmerstraße (weiß gepunktet, heute nördlicher Teil der Kurt-Schumacherstraße) und die Ottmerbrücke verbunden. 

Ab etwa 1950 verändert sich das Gesicht des Bezirks mit dem Bau des Hauptbahnhofs der Kurt-Schumacher-Straße und des Berliner Platz erneut.

Alt

Westlich der Kreyenfeld ist schon die spätere Salzdahlumer Straße (im nördlichen Bereich ab 1952 Böcklerstraße) zu erkennen. Zwischen dieser und der - Wolfenbütteler Straße - sind Gärten, die in der Bebauung ab 1860 mit dem Krähenfeld zusammenwachsen. Nördlich vom Krähenfeld sind zwei Windmühlen, eine davon gehört zu St. Leonhard. Im Süden ist die Lemchenriede und der Lemchen Camp - heute Bebelhof -. Westlich vom Lemchen Camp, der Zuckerberg und Eisenbüttel.

Von der Wolfenbütteler Straße bzw. vom Augusttor geht mit einem Knick um den früheren Windmühlenberg ein Weg nach St. Leonhard, der ab 1860 zur Campestraße wird. Vom Knick geht die spätere Bertramstraße (auch ab 1860) nach Nordosten.

 

Das Krähenfeld hat nach E. H. Lehne Friedrich Campe gehört, der den östlichen Teil behielt und den westlichen verkaufte. Der Garten wurde gestaltet, hieß zunächst Campes, dann Viewegs Garten.

 

Drei weiteren Straßen gehen von der Wolfenbüttelerstraße nach Westen: die Leisewitzstraße (1872), die Elmstraße (1868 (später Heinrich-Büssing-Straße, jetzt Heinrich-Büssing-Ring)) und die Riedestraße (1889). Die letztere vermute ich an der Lemchenriede.

 

Bis zum Bau der Brücke über die Salzdahlumer Straße (1954 eröffnet) ging diese südlich der Riedestraße weiter, hier war ein Bahnübergang. (Ich habe von kurz nach meiner Geburt 1949 bis kurz vor meiner Einschulung 1956 nah der Schranke gewohnt, dunkle Erinnerungsfetzen daran sind vorhanden.) Südlich der Bahnlinie ist heute noch die Alte Salzdahlumer Straße, ein kleines Überbleibsel. Die Umbenennung des nördlichen Teils 1952 in Böcklerstraße deutet den Wandel an.

 

Ab 1870 geht es mit dem Stadterweiterungsplan von Carl Tappe planvoll weiter. Aber schon vorher entstehen Straßen, werden verlegt und immer wieder unbenannt. Die Viewegstraße, die Spohrstraße, die Georg-Wolters-Straße und die Limbeckerstraße wechselten lustig Verlauf und Namen auch untereinander. Aber im Prinzip entstand das heutige Straßenbild, die Autorstraße, Gertrudenstraße und die Friedrichstraße verbinden Salzdahlumer Straße (bzw. Böcklerstraße) mit der Limbecker- bzw. Viewegstraße. Wobei Viewegstraße und Friedrichstraße im damaligen Friedrichplatz enden. Die Gertrudenstraße geht allerdings 1867 als "Im Krähenfeld" an den Start, bis nach einigen Abwandlungen des Ursprungsnamen 1876 den heutigen Namen erhält.

 

Die Heitbergstraße, in etwa eine Verlängerung der Autorstraße zur Helmstedter Bahn existiert heute ebenso wenig wie die vor der Helmstedter Bahn verlaufende Lutterstraße. Deren Verlängerung heißt auf einem Plan von 1914 Schillstraße, führt zum Leonhardplatz, die heutige Schillstraße hieß seinerzeit noch Wörthstraße. Auch die Klausenstraße, ein kleines Verbindungsstück zwischen Viewegstraße und Heitbergstraße fiel wie die genannte dem Bahnhofsneubau und dem damit verbundenen Umbau zum Opfer.

 

Die Ottmerstraße verlief ab 1876 bis 1859 von der Ottmerbrücke zur Ecke Campestraße / Bertramstraße und ist heute ein Teil der Kurt-Schumacher-Straße, der südöstlich verlaufende Teil heißt der Campestraße heißt seitdem Ottmerstraße. Die Adolfstraße (1877) verbindet im Norden das Krähenfeld mit der Leonhardstraße.

 

Die Helmstedter Bahn mit dem Ostbahnhof (zuvor Bahnhof St. Leonhard) hat zunächst als Grenze Südosten ihre Bedeutung. Die Bahnschienen verlaufen aber zunächst nur mit wenigen Spuren auf Straßenhöhe. Es gibt beschrankte Bahnübergänge. Das ändert sich Mitte der 50ger Jahre, als der Hauptbahnhof gestalt annimmt. Tunnel werden gebaut, Straßen verschwinden, den Bahnhof rückt nach Nordwesten vor. Der Berliner Platz mit seinen Hochhäusern entsteht.

Das Krähenfeld wird zum Bahnhofsviertel. 

  • Literatur

Braunschweiger Bilderbogen um 1880/ von A. H. Lehne [Pseudonym  Anna Helene Graff]; Braunschweig; 1941

Campestraße
Campestraße
Viewegstraße
Viewegstraße
Leisewitzstraße
Leisewitzstraße
Heinrich-Büssing-Ring)
Heinrich-Büssing-Ring)
Alter Bahnübergang  Riedestraße
Alter Bahnübergang Riedestraße
Blick von der Adolfstraße zum Löwenwall
Blick von der Adolfstraße zum Löwenwall
Blick vom Windmühlenberg zum JFK
Blick vom Windmühlenberg zum JFK
Böcklerstraße mit Blick auf Brauerei
Böcklerstraße mit Blick auf Brauerei
Friedrichstraße
Friedrichstraße
Viewegstraße von oben
Viewegstraße von oben