Liten - Prag - Dresden

Liten – Burg Karlštejn

Hätte – hätte – Fahrradkette wie man heute so schön sagthätte ich nicht den Rat des Vermieters in Budweis befolgt, mir die Burg Karlštejn anzusehen und statt dessen die Moldau weiter lang geradelt wäre

hätte ich nicht in Liteň noch einen Kaffee getrunken

wäre ich nicht in den Regen geraten, hätte keinen Salto Mortale inklusive Rückenschmerzen und abgesprungener Fahrradkette hingelegt (siehe Route bei google Maps)

und hätte keine 10 Strafzettel bekommen

Aber der Reihe nach:

In trank in Liteň einen Kaffee und wahrscheinlich auch ein Wasser.

Kurz hinter Liteň fing es an zu tröpfeln. Ich zog meine Regenjacke und –Hose an und fuhr weiter in den stärker werdenden Regen bergab.

Die Abfahrt die dann folgte kann auf Google Maps besichtigt werden.Die steile Abfahrt erkennt man nicht. Diese Abfahrt wurde durch den stärker werdenden Regen und Aquaplaning immer rasanter. Hätte ich um die scharfer Kurve am Ende der Abfahrt gewußt, hätte ich versucht mit aller Macht zu bremsen. So hoffte ich auf ein Ausrollen und auf eine kleine Bergauffahrt.Die Kurve sieht man auf Google-Maps deutlich.


Ich versuchte zu bremsen, verhängnisvoller Weise wohl auch mit der Vorderradbremse. Und fuhr geradeaus. Links ein Bild meines schwerbepackten Fahrrads.Vor mir tat sich ein Abgrund auf.

Ich dachte: „Das war’s!“

Überschlug mich in der Luft, machte also einen Salto Mortale, landete wieder auf den Rädern, fuhr vorn in einen Maschendrahtzaun und fiel links in einen Busch.


Das nächste was ich dachte war: „Du bist gar nicht tot!“

Und dann als ich die Schmerzen in Schultern und Rücken spürte: „Die findet hier kein Mensch!“

Wie lange ich gelegen habe, kann ich nicht abschätzen.

Irgendwann versuchte ich aufzustehen. Es gelang. Ich kletterte den Hang hinauf und versuchte oben Autos anzuhalten. Es hielt keiner. Ich sah ja auch nicht gerade piekfein aus.

Ich kletterte wieder den Hang hinunter. Ich lud meine Gepäck ab und trug es einzeln hinauf. Dann schob ich das Fahrrad hinauf. Das Fahrrad war kaum beschädigt. Die Kette war abgesprungen und ließ sich leicht wieder auflegen. Ein Lowrider war etwas verbogen, die Vorderradtasche paßte besser als vorher ans Rad.

Obwohl es nur ganz leicht bergab ging, schob ich meine Rad bis zum nächsten Hotel.

Dort nahm ich ein heißes Bad. Das linderte meine Schmerzen. Wegen der Spätfolgen eines Sturzes in oder bei Esch-sur-Alzette fragte ich nach einem Arzt.

Es begann der Tragödie zweiter Teil.Ich fuhr mit einem Hotelangestellten erst zum Arzt, dann zu einer ambulanten Klinik, dann in einer richtige Klinik.

Dort verfrachtete man mich in ein Bett und in meinen Nacken in einen Streckverband. Am ersten Tag ärgerte ich mich über die Raucher in der Toilette. Ein oder zwei Tage später stand ich selber da.

In meinem Zimmer lag ein Bayer, der mit dem Motorrad verunglückt war. Den hatte es schlimmer erwischt.Wie lange ich in der Klinik lag, weiß ich nicht. Der Arzt meinte auf meine Frage, ob ich weiter radeln könnte, wenn ich wollte.

Allerdings gab es noch einen Aufenthalt auf der Polizeiwache. Ich hätte mein Fahrrad nicht in meiner Gewalt gehabt. Es gab wohl auch in der CSSR ein § 1 STVO. Es war nach deutschen Geld kein großer Betrag, als verwarf ich die Idee mich an die Botschaft zu wenden. Ich bekam 10 Strafzettel. Ich habe diese 10 Strafzettel auf ein Blatt Papier geklebt und eine Kopie an die Botschaft der CSSR in Bonn geschickt. Diese erklärte sich nicht für zuständig. Leider habe ich weder dieses Blatt noch ein Foto vom Unfallort.

In Prag sagte man mir, dass sei die Normalstrafe für Touristen.Ich besichtigte mit dem Polizisten den Unfallort. Der Zaun war heile.

Das Schloß war eine Enttäuschung.Während ich in Karlštejn war, fanden die Wahlen statt, die zur Trennung von Tschechien und der Slowakei führten.

Ich fuhr weiter nach Prag.

Prag

Prag hatte sich während meiner Silvesterfahrt verändert.

Nicht nur der Kommunismus war zusammengebrochen, eine unschöne Art des Frühkapitalismus hatte sich entwickelt. In der Braunschweiger Zeitung hatte ich von einem Taxen-Krieg gelesen. Anscheinend hatte einige, die über Schwarzgeld verfügten, westeuropäische Autos gekauft. Zwischen dieses und der alteingesessnen Taxi-Fahrern hatte sich eine Art Krieg entwickelt. Luft ablassen bei den Taxis der Gegenpartei war eines Kampfmittel. Ich würde es auch spüren.

Ich hatte wieder ein Privatzimmer angemietet.

Prag, Karlsbrücke
Prag, Karlsbrücke
Tunnel in Prag
Tunnel in Prag

Es lag etwas außerhalb, ich stieg in ein Taxi. Leider fragte ich nicht gleich nach dem Preis.


Es entsprach nicht dem ortsüblichen Preis (nachdem ich mich wir üblich erkundigt hatte).Ich fragte unterwegs. Da hielt der Fahrer und schmiss mich raus.

Irgendwo auf einer Straße ohne Kneipen o. ä.

Glücklicherweise kam eine Taxi Marke Lada vorbei und nahm mich mit. Der Fahrer erklärte, dass er seit Jahrzehnten Taxi fahre. Dass was z. Z. stattfand hätte er noch nicht erlebt.

Etwas anderes hatte sich auch verändert. Die Bierpreise.

Ich hatte mich in einem mir von meiner Silvesterfahrt bekannten Biergarten niedergelassen (Das Bier wurde hier mit einem Tankwagen gebracht). Da es voll, hatte ich mich an einem mit zwei Mann besetzen Tisch gesetzt (Ich hatte höflich gefragt.

Ich hatte meinen Stadtplan ausgepackt. Als ich etwas ratlos, fragte ich meine Tischnachbarn, ob einer Deutsch spreche.

Nach kurzem Blickaustausch bekam ich eine zögernde bejahende Antwort.

Wie sich herausstellte war es der Tscheche der antwortete, nich der Bayer.

Der Bayer war für eine Firma, die Kraftwerke betrieb hier mit einem Tschechen einer Partnerfirma.

Wie sich herausstellte, war die beiden nicht besonders erfreut von den vielen Touristen. Als Fahrradtourist hatte ich mal wieder meine Vorteile.

Die Kritik meiner Bekannten richtete sich an dem Verhalten der Touristen. Sie gäben unverhältnismäßig hohes Trinkgeld. Darauf erhöhten die Gaststätten ihre Preise. Die hohen Trinkgelder flossen weiter. Die Preise stiegen weiter.

Normale Prager konnten sich ihr Bier nicht mehr leisten. Einige wenige Kneipen waren preisgünstig - und voll. Der Deutsche zeigte mir eine.

Den Saal mit dem Big-Band-Jazz gab es noch, ich besuchte ihn wie bei meiner Silvesterfahrt. Außerdem fand ich eine kleine neue Jazzkneipe mit modernen Jazz.

In einem Ansichtskarten-Laden konnte ich meine inzwischen erworbenen Sprachkenntnisse beweisen. Zwei Französinnen  sprachen weder Englisch, Tschechisch noch deutsch. Und ich konnte als Übersetzer dienen!

Mělník

In Mělník fließen Moldau und Elbe zusammen, und heißen das Elbe.

Dabei ist die Moldau viel breiter.

Ich traf eine bayrischen Radler, der von der Quelle her hierher geradelt war. Er war wenn ich recht erinnere über Polen angereist.

Schon witzig unsere Wege hier her.

Dresden – Radebeul – Meißen

Ich durchquerte Dresden auf Kopfsteinpflaster.

Ich fuhr zum Karl-May-Museum nach Radebeul. Ich versuchte in der Nähe eine Unterkunft zu finden, um das Museum zu besuchen ohne mein Fahrrad aufs Spiel zu setzen. Ich fand erst in Meißen eine Privatunterkunft. Ich hatte den Tipp von Berliner Freunden erhalten. Da es während der DDR-Zeit wenig Hotels gab, boten viele Bewohner Privatunterkünfte an.

Am nächsten Tag fuhr ich per Bahn mit Rad darin nach Hause.

Ich fuhr weiter nach 

über Roudnice nad Labem und Ústí nad Labem nach Pirna.

ÜBER ROUDNICE NAD LABEM UND ÚSTÍ NAD LABEM NACH PIRNA

Über diese Strecke und Roudnice nad Labem sowie Ústí nad Labem (Aussig) habe ich nur wenig Erinnerungen.

Ich weiß, dass ich durch das Elbsandsteingebirge gefahren bin. Unterwegs und in Pirna, habe ich übernachtet.

Dann bin ich weiter nach Dresden.