Per Adresse Mörder X

Per Adresse Mörder X

Übersetzung Brigitte Weitbrecht

  • Ullstein Buch 1167, 1968
  • Goldmann, Rex Stout No. (1986 / Copyright 1974)

gem. Kaliber 38

  • Ullstein, 1968

Als: Es klingelte an der Tür

  • Klett-Cotta, 2017]
  • Goldmann, 1974]
  • Verlag Volk und Welt, 1971]

US:

The Doorbell Rang (1965) Viking Press Wikipedia


Anmerkung: 

Als ich recherchierte ob der Autor Fred Cook, der auf Seite 15 der Goldmann-Ausgabe genannt wird, und sein Buch „Hinter den Kulissen des FBI“ wirklich existierte fand ich  in der englischen Wikipedia  (Google-Übersetzung)  Informationen. Er war ein investigativer Journalisten Fred J. Cook und schrieb u. a. das Exposé „The FBI Nobody Knows“ 1964. Auf der  genannten Wikipedia-Seite findet sich auch der Hinweis, dass dieses Exposé eine zentrale Rolle in „Per Adresse Mörder X“ spielt.

DAs Buch „Hinter den Kulissen des FBI“  die reiche Witwe Rachel Brunner an 10.000 Persönlichkeiten. Was dem damaligen FBI-Chef J. Edgar Hoover verärgert, der Mrs. Brunner, ihre Familie, die Angehörigen der Brunner AG und Personen in dem Umfeld der bisher genannten beobachten lässt. Das wiederum verärgert Mrs. Brunner, die Nero Wolfe für 100.000 $ engagieren will.

Wolfe beauftragt Archie Goodwin, Lon Cohen zum Abendessen einzuladen.  

(Anmerkung:

Cohen hat ein Büro in 20. Stock des Gazette Hochhauses, zwei Zimmer hinter dem Eckzimmer des Chefredakteurs, geht im Flamingo tanzen und pokert mit in Saul Panzers Wohnung)

Selbstverständlich ist das Essen gehoben, haben die Gespräche beim Essen nichts mit dem Fall zu tun und ist der Cognac den es im Büro gibt außerordentlich.  Nero Wolfe hat davon noch 14 Flaschen und ein paar Fragen. 

Diesmal muss Archie seinen Boss nicht motivieren den Fall anzunehmen. Er versucht es ihm sogar auszureden. Doch diesmal lockt Wolfe einerseits die Chance bei dem Honorar ein halbes Jahr zu faulenzen, andererseits will er sich von niemand (einschließlich des „Angebers“ Hoovers) einschüchtern lassen. Er bietet Archie an bezahlten Urlaub zu nehmen, wenn er sich fürchtet. Archie nimmt den Urlaub nicht. 

Archie besucht Mrs. Brunner, lernt deren Sekretärin Sarah Dacos kennen, die als einzige im Umfeld der Witwe von dem Auftrag weiß. Archie findet sie anziehend. 

Um nicht im Haus abgehört zu werden, macht Archie mit Mrs. Brunner einen Spaziergang. Er erfährt, dass die Vermutung von Wolfe und Goodwin, die Witwe habe  etwas zu verbergen, richtig ist. Das FBI ist aber noch nicht in der Nähe des Geheimnisses. 

Archie stochert ein wenig herum, ohne Ergebnis und ist sauer darüber. Er verschmäht dafür Kaviar und Milch (die er lukullisch gleichsetzt) und trinkt dafür eine drei Finger hohen Old Sandy Bourbon. Dann übernachtet er im Büro, damit das FBI dort nicht sein Unwesen treibt.

Am nächsten Morgen klingelt Dr. Vollmer. Er hat einen Anruf von einem Unbekannten bekommen. Dieser bat Dr. Vollmer Archie auszurichten, das dieser in ein Hotelzimmer kommen solle. Und er solle Verfolger abschütteln. Dort wartet Inspektor Cramer mit einer Tüte Milch. Cramer erzählt zunächst einmal, dass der Commissioner vom FBI aufgefordert wurde, die Lizenzen von Wolfe und Archie einzuziehen. Cramer erzählt, dass er nun 36 Jahre bei der Polizei sei. 

(1968-36=1932, Die Liga der furchtsamen Männer mit Cramers Debüt erschien 1935. Dort erklärt, dass er Wolfe länger kennt als Archie, in Die Lanzenschlange wohnt Archie schon sieben Jahre in der 35th Street, danach kennt der Inspektor Wolfe schon, als er noch kein Polizist war. Das ist aus anderen Gründen heraus Blödsinn. Aber typisch für Rex Stout). 

Cramer erzählt Archie einiges interessantes über einem Mord an den Journalisten Moris Althaus. Der sammelte Informationen für einen Artikel über den FBI. Die Kugel die ihn traf, wurde nie gefunden. Die Waffe, die Althaus besaß, und die als Tatwaffe in Frage kommt auch nicht. An seinem Todestag bekam er Besuch vom FBI. Cramer vermutet, dass die Agenten Althaus erschossen haben. Er ist sauer, dass er das nicht beweisen kann, in seiner Stadt und nicht in ihrer. Die mehrere Seiten umfassende Unterhaltung von Cramer und Archie ist sehr lesenswert. Mehr davon zu erzählen, nähme sicher den Spaß.

Archie kehrt so in die 35th Street zurück, dass er pünktlich zum Essen kommt. Er will Wolfe beweisen, wie blödsinnig es ist, beim Essen nicht übers Geschäft zu reden. Dann bittet er Wolfe in den Keller. Dort steht ein Sessel für Wolfes Maße, er schaut Archie und Saul Panzer von dort sonntags beim Billard zu. Wir erfahren auch, dass Fritz hier sein Zimmer und sein Bad hat sowie seine Vorratskammer.

Wolfe erfährt von Cramer und seiner Story.  Auch Beratung der Backsteinhaus-Detektive wird hier nicht weiter ausgeführt. Das Vergnügen soll auch hier nicht durch zuviel Informationen geschmälert werden.

Nur soviel: Der FBI-Chef von New York heißt Richard Wragg.  

Die weitere Story zu erzählen, ist schwierig ohne dass wesentliches verraten wird. 

Zu verraten ist, das Archie sich immer wieder neues ausdenkt, vermeintlich um die FBI-Abhöranlagen zu auszutricksen, vermutlich aber um Wolfe in Bewegung zu setzen.

Wir lernen dabei das Zimmer von Fritz Brenner kennen: 

Fritz hätte oben ein Zimmer haben können, aber das Untergeschoß ist ihm lieber. Sein Reich ist so groß wie das Büro und das Vorderzimmer zusammen, aber im Lauf der Jahre wurde es ziemlich überladen - Tische mit Stößen von Zeitschriften, die Büsten von Escoffier und Brillat-Savarin auf Ständern, an den Wänden gerahmte Menüs, ein überlebensgroßes Bett; fünf Sessel, Bücherregale (er besitzt 289 Kochbücher), der Kopf eines Wildschweins, das er in den Vogesen erlegt hatte, ein Fernsehgerät und eine Stereoanlage, zwei große Kisten mit antikem Kochgeschirr, darunter ein Topf, den nach Fritz' Ansicht schon Julius Cäsars Koch benutzt hatte, und vieles andere mehr.“ (S. 87, Goldmann)

Wolfe überführt nicht nur das Mörderle, sondern stellt auch dem FBI eine Falle. Lewis Hewitt und seine Aristologen, die wir aus Gift a la Carte kennen, spielen dabei eine wesentlich Rolle.

Auch hier wird nicht mehr verraten, um Spaß und Spannung zu erhalten.

Ach so, der Sinn des amerikanischen Originaltitel enthüllt sich ganz am Schluss, dann da klingelt jemand an der Tür. 

Ein hochaktueller Krimi um Überwachungsmöglichkeiten.  Mit der Frage was in den 1960gern schon möglich war, heute möglich ist. Und der Frage, wen wir mehr fürchten sollen, den FBI oder Google – oder unsere Facebook-Einträge.